Anlässlich des Internationalen Tages der Archive am 9. Juni 2026 gewährt die Stiftung Stadtmuseum Berlin Einblicke in die Arbeit ihres Hausarchivs und der Provenienzforschung. Die Veranstaltung steht im Zeichen des diesjährigen Leitthemas des International Council on Archives (ICA): „#Archive für Gerechtigkeit: Rechte, Erinnerung und Zukünfte“.
Der Termin am 9.6. fällt aus! Ein Ersatztermin wird bekanntgegeben.
Beweise, Lücken und Verantwortung: Das Hausarchiv und die Provenienzforschung der Stiftung Stadtmuseum Berlin
Das öffentliche Hausarchiv dokumentiert die Historie der Museen sowie ihrer Vorgängerinstitutionen für die Zukunft. Zu den Kernaufgaben der Einrichtung gehören die Wahrung von Rechten, die Erfüllung von Nachweispflichten sowie die Gewährleistung von Transparenz für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit. Im Rahmen der Veranstaltung wird den Besuchern sachlich erläutert, nach welchen Kriterien Dokumente im Archiv aufbewahrt, verwaltet und zugänglich gemacht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Aktionstages liegt auf der Provenienzforschung der Stiftung. Das zuständige Team untersucht die Herkunft der Sammlungsobjekte, um mögliche unrechtmäßige Entziehungen aufzuklären, da die Exponate oft keine eindeutigen Wege hinter sich haben. Dabei stützen sich die Experten maßgeblich auf historische Archivdokumente, wodurch regelmäßig neue Details über die Objekte und deren Vorbesitzer zutage treten.
Die Präsentationen finden am Dienstag, den 9. Juni 2026, jeweils um 10 Uhr sowie um 18 Uhr in der Poelzig-Halle in der Hans-Poelzig-Str. 20 in 13587 Berlin-Spandau statt. Im Anschluss haben die Besucher die Möglichkeit, Fragen an die Mitarbeiter zu richten.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, es wird jedoch um eine Voranmeldung mit Angabe der gewünschten Uhrzeit per E-Mail an hausarchiv@stadtmuseum.de gebeten.
Poelzig-Halle
Die Poelzig-Halle wurde zwischen 1928 und 1930 nach Plänen des Architekten Hans Poelzig als Werkshalle des Kabelwerks Dr. Cassirer & Co. AG im Berliner Ortsteil Hakenfelde errichtet.
Heute dient sie der Stiftung Stadtmuseum Berlin als Museumsdepot. Die Immobilie befindet sich nicht im Eigentum des Landes Berlin, sondern ist angemietet.
Geschichte des Kabelwerks
Die Unternehmer Louis und Julius Cassirer gründeten 1896 in Berlin ein Kabelwerk. Bis 1914 entwickelte sich das Unternehmen zu einem weltweit führenden Hersteller elektrischer Kabel mit rund 630 Beschäftigten.
In den 1920er-Jahren wurde der Standort in Charlottenburg zu klein. Die Firma erwarb daher ein neues Gelände in Hakenfelde mit Bahnanschluss und Zugang zur Havel. Hans Poelzig entwarf dort ein modernes Werk, dessen Aufbau konsequent an den Produktionsabläufen ausgerichtet war. Zentrum war eine große Stahlskelett-Halle, ergänzt durch Lager-, Bürogebäude und ein Kesselhaus. 1930 nahm das sogenannte Havelwerk den Betrieb auf.
Krise und Eigentümerwechsel
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise brach die Nachfrage stark ein; 1932/33 sank der Absatz auf etwa 20 Prozent. Die Produktion kam nahezu zum Stillstand. 1935 verkauften die Cassirers das Unternehmen an die Elektrische Licht- und Kraftanlagen AG. Ob dieser Verkauf im Zusammenhang mit der antisemitischen Gesetzgebung stand, lässt sich nicht eindeutig klären. 1941 wurde das Unternehmen in Märkische Kabelwerke AG umbenannt; der Name der Gründer verschwand.
Nachnutzung bis heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion bereits 1946 wieder aufgenommen und lief bis 1993. Anfang der 2000er-Jahre wurde die Halle denkmalgerecht saniert und anschließend als Zentraldepot des Stadtmuseums Berlin genutzt.
Heute beherbergt der Komplex über 4,5 Millionen Objekte. Im umliegenden Gelände sind zudem Reste des ehemaligen Kabelwerks erhalten, darunter das Pförtnerhaus und Teile der Mauer.



