Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai rückt der Bezirk Spandau die gesundheitlichen Risiken von Nikotinprodukten für junge Menschen in den Fokus. Die Jugend- und Gesundheitsbezirksstadträtin Tanja Franze betont die Bedeutung frühzeitiger Aufklärung und gezielter Präventionsangebote, um Kinder und Jugendliche vor den Folgen von Nikotinkonsum zu schützen.
Rauchen gilt weiterhin als erhebliche Gefahr für die Gesundheit. Besonders junge Menschen sind gefährdet, da Nikotin die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und schnell abhängig machen kann. Moderne Produkte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel erscheinen durch bunte Gestaltung und süße Aromen oft harmlos, sind jedoch gezielt auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet und werden verstärkt über soziale Medien beworben. Fachleute warnen daher vor einer Verharmlosung dieser Produkte und fordern mehr Sensibilisierung.
Entlarve die Verlockung – gegen Tabak- und Nikotinsucht
Der diesjährige Weltnichtrauchertag der Weltgesundheitsorganisation steht unter dem Motto „Entlarve die Verlockung – gegen Tabak- und Nikotinsucht“. Im Mittelpunkt steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen. In Spandau ist dieses Ziel Teil der bezirklichen Strategie „Gesund aufwachsen, leben und älter werden in Spandau“, die insbesondere auf Präventionsarbeit setzt.
Ein zentraler Baustein dieser Bemühungen sind die JugendFilmTage, ein suchtpräventives Projekt der Fachstelle für Suchtprävention Berlin in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Spandau und weiteren Partnern. Die Veranstaltungen richten sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 19 Jahren und kombinieren Filmvorführungen mit interaktiven Angeboten. Ziel ist es, Jugendliche über die Risiken von Alkohol, Tabak und anderen Alltagsdrogen aufzuklären und sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Konsumverhalten anzuregen.
Nach erfolgreichen Veranstaltungen im Jahr 2025, mit rund 600 Teilnehmenden in Berlin-Mitte und etwa 500 in Spandau – wird das Projekt 2026 fortgesetzt. Unter dem Motto „Nikotin und Alkohol, Alltagsdrogen im Visier“ umfasst das Programm neben Spielfilmen auch Mitmach-Stationen sowie Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Informationsformate für Eltern.
Die JugendFilmTage sind Teil eines bundesweiten Präventionskonzepts der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und werden in Berlin seit 2018 umgesetzt. Sie finden jährlich in wechselnden Bezirken statt und werden in Spandau regelmäßig in Kooperation mit dem Bezirksamt organisiert.
Aktuelle Daten zeigen zwar einen langfristigen Rückgang des Tabak- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen, gleichzeitig steigen jedoch Fälle von Alkoholintoxikationen. Vor diesem Hintergrund sehen Fachleute weiterhin Handlungsbedarf. Alkohol und Tabak sind im Alltag junger Menschen nach wie vor präsent – etwa durch Werbung oder im Einzelhandel. Präventionsangebote sollen daher helfen, Konsumtrends entgegenzuwirken und einen verantwortungsvollen Umgang zu fördern.
Neben Bildungsangeboten setzt der Bezirk Spandau auch auf die Zusammenarbeit mit Suchtberatungsstellen, um Betroffene und Angehörige zu unterstützen und Hilfsangebote leicht zugänglich zu machen.
Kontakt für Interessierte
Fachstelle für Suchtprävention Berlin
Miriam Knörnschild
E-Mail: knoernschild@berlin-suchtpraevention.de
Tel.: 030 – 293526 15
www.berlin-suchtpraevention.de/projekte/jugendfilmtage/
Vapes: Süße Aromen, ernste Folgen. Wachsende Sorgen um E-Zigaretten bei Jugendlichen
E-Zigaretten und sogenannte Vapes geraten zunehmend in den Fokus der Gesundheitsdebatte. Besonders bei Jugendlichen erfreuen sich die Produkte großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen ihrer auffälligen Designs und einer Vielzahl süßer Aromen wie Mango, Erdbeere oder Kaugummi. Fachleute warnen jedoch, dass gerade diese vermeintlich harmlosen Geschmacksrichtungen gezielt junge Menschen ansprechen und den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern.
Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass die gesundheitlichen Risiken von Vapes lange unterschätzt wurden. Zwar enthalten viele Produkte weniger Schadstoffe als klassische Zigaretten, doch sind sie keineswegs ungefährlich. Nikotin bleibt ein zentraler Bestandteil vieler E-Zigaretten und kann insbesondere bei Jugendlichen die Gehirnentwicklung beeinträchtigen sowie frühzeitig zu Abhängigkeit führen. Darüber hinaus weisen Studien zunehmend auf mögliche Schäden an Lunge und Herz-Kreislauf-System hin.
Besonders problematisch ist die niedrige Hemmschwelle beim Konsum. Vapes sind leicht verfügbar, oft diskret zu benutzen und werden in sozialen Netzwerken vielfach als Lifestyle-Produkt inszeniert. Dies verstärkt den Eindruck, es handle sich um eine ungefährliche Alternative zum Rauchen. Gesundheitsexpertinnen und -experten betonen jedoch, dass diese Wahrnehmung trügerisch ist und fordern strengere Regulierungen sowie intensivere Aufklärungsarbeit.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Prävention weiter an Bedeutung. Schulen, Eltern und öffentliche Einrichtungen stehen vor der Herausforderung, Jugendliche frühzeitig über die Risiken aufzuklären und ihnen Orientierung im Umgang mit vermeintlich harmlosen Alltagsdrogen zu geben. Initiativen wie die JugendFilmTage leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, indem sie Wissen vermitteln und eine kritische Haltung gegenüber Konsumtrends fördern.
Vapes gefährden die Gesundheit: Belegte Risiken im Überblick
Elektronische Zigaretten, umgangssprachlich „Vapes“, sind alles andere als harmlos. Trotz der Wahrnehmung als sichere Alternative zu Tabakzigaretten belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien und Expertenstellen erhebliche Gesundheitsgefahren durch das Dampfen.
Jugendliche als Hauptrisikogruppe
Vapes sind besonders bei jungen Menschen beliebt, getriggert durch bunte Farben, süße Aromen und Werbung von Influencern auf Social-Media-Plattformen. Diese Gruppe wird „in einigen Jahren an den Folgen erkranken“, warnt Prof. Michael Kreuter, Leiter des Lungenzentrums der Uniklinik Mainz. Bereits ein einziger Zug an einer E-Zigarette lässt die Nikotinkonzentration im Gehirn innerhalb von durchschnittlich 27 Sekunden auf 50 Prozent des Maximums ansteigen, ähnlich schnell wie bei Tabakzigaretten.
Nachgewiesene schädliche Inhaltsstoffe
Der Dampf von Vapes enthält eine Vielzahl nachgewiesener Giftstoffe:
- Nikotin: Stark süchtig machend; erhöht Blutdruck und Herzfrequenz; führt zu Gefäßverengungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen; stört die Gehirnentwicklung bei Jugendlichen
- Formaldehyd und Acetaldehyd: Krebserregende Substanzen, die beim Erhitzen der Liquids entstehen
- Acrolein: Zelltoxisch und lungenschädigend
- Metalle wie Blei, Chrom, Nickel, Kupfer und Zink: Krebserregend; schädigen Nervensystem, Lunge, Nieren und Herz-Kreislauf-System; in Einweg-Vapes bis zu 19-mal mehr Blei als in herkömmlichen Zigaretten
- Aromastoffe: Unterdrücken das Immunsystem; verursachen zystische Veränderungen im Kleinhirn, Leber- und Milzvergrößerung, Entzündungen und Erbgutschäden
- Kühlstoffe wie WS-23, WS-3 und WS-5: Gesundheitsrisiko beim Einatmen; erhöhen die Nikotinaufnahme und Abhängigkeit
Akute und chronische Gesundheitsschäden
Herz-Kreislauf-System
Bereits nach einmaligem Dampfen verändert sich die Innenauskleidung der Oberarmarterie (Endothel), was zu vorübergehender Gefäßsteifigkeit führt. Dies erhöht Blutdruck und Puls und kann langfristig zu Gefäßverkalkung, Arteriosklerose und Schlaganfällen führen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie betont, dass Vapes gefährlicher sind, als sie erscheinen.
Lungenfunktion
Verschiedene Stoffe im Dampf stören den Gasaustausch in der Lunge, was auf Dauer zu Lungenschäden führen kann. Es wird befürchtet, dass schwere Lungenerkrankungen bis hin zu Lungenkrebs entstehen können. In den USA erlitten mehr als 2.800 Menschen nach Vaping-Konsum schwere Lungenschädigungen, 68 starben daran.
Passivdampfen
Auch das passive Einatmen des Dampfes ist schädlich, insbesondere für Kinder und Menschen mit Atemwegserkrankungen. Der Dampf gibt gesundheitlich bedenkliche Substanzen an die Raumluft ab.
Einweg-Vapes besonders gefährlich
Eine im Fachjournal „ACS Central Science“ veröffentlichte Studie fand in Einweg-E-Zigaretten hohe Konzentrationen an Metallen wie Blei, Chrom und Nickel. Der Anteil von Chrom und Nickel nahm um das Tausendfache zu, je mehr Züge genommen wurden. Bei einigen Geräten überstieg der Gehalt an krebserregenden Substanzen die zulässigen Grenzwerte. Mehrere EU-Staaten wie Frankreich und Belgien haben den Verkauf von Einweg-E-Zigaretten bereits untersagt.
Langzeitfolgen weiterhin unbekannt
Bis heute gibt es keine aussagekräftige Langzeitstudie, die die Folgen des Vapings auf Dauer erfasst. „Das Problem mit E-Zigaretten ist, dass wir ihre Auswirkungen noch nicht lange genug beobachten. Daher sind uns viele Langzeitfolgen nicht bekannt“, gibt Prof. Kreuter zu bedenken.
Fazit aus Expertensicht
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt grundsätzlich auf den Konsum von E-Zigaretten zu verzichten. Nikotinabhängigkeit allein ist bereits eine ernste gesundheitliche Beeinträchtigung. Auch nikotinfreie Liquids bergen gesundheitliche Risiken, da sie ebenfalls krebserregende Substanzen beim Erhitzen bilden können.
Die Gesundheitsgefahren durch Vapes sind belegt, von akuten Gefäßschäden bis zu potenziell krebserregenden Metallen im Aerosol. Die Zeit wird zeigen, welche Langzeitfolgen das Dampfen wirklich haben wird.
China produziert 90% aller Vapes, aber solche mit süßen oder fruchtigen Aromen sind verboten

Seit Oktober 2022 gilt in China jedoch ein Verbot für den Verkauf von E-Zigaretten mit Geschmacksaromen außer Tabak. Das bedeutet, dass nur noch Vapes mit Tabakgeschmack im Inland verkauft werden dürfen, während Frucht-, Süßungs- oder Mentholgeschmäcker verboten sind.
Die chinesische Regierung hat dieses Aromen-Verbot aus Jugendschutzgründen eingeführt. Der Großteil der Vape-Käufer in China waren Kinder, Jugendliche und Studierende, und der süße Fruchtgeschmack verführt viele Nichtraucher zum Konsum. Online-Verkauf ist ebenfalls verboten, und alle Verpackungen müssen Warnhinweise enthalten, die auf die Gesundheitsschädlichkeit hinweisen und das Konsumieren durch Jugendliche untersagen.
Was besonders auffällig ist: Während die Behörden im eigenen Land die aromatisierten Vapes nicht in den Läden sehen wollen, produzieren chinesische Fabriken weiterhin millionenfach aromatisierte Vapes für den Export. Etwa 90 Prozent aller weltweiten Vapes kommen aus China, und diese werden mit den verbotenen Fruchtgeschmäckern in Länder wie Deutschland exportiert. China produziert also genau das, was dort im Inland verboten ist, und verschickt es in die ganze Welt.



