The IceCream Man ist ein neues, 30 Meter hohes Wandbild (Mural) im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld, entstanden im Rahmen des „One Wall“-Projekts des Urban Nation Museum und gestaltet von Jim Avignon. Das Mural im Kraepelinweg 3 wurde mit einem Quartiersfest am 28. August feierlich eingeweiht.
Entstehung
Ausgangspunkt war eine Anfrage des Urban Nation Museum, das für die Wand bereits eine von Kindern aus dem Quartier zusammengestellte Motivliste vorbereitet hatte. Jim Avignon nahm diesen zunächst als Eingriff in seine künstlerische Freiheit empfundenen Impuls schließlich auf und entschied sich, die Wünsche der Kinder vollständig umzusetzen. Daraus entstand ein Bild, das Themen wie Eiscreme, Fußball, Musik und Sonnenschein aufgreift.
Ein wichtiger Teil des Projekts ist zudem die Beteiligung der Nachbarschaft. Das Partizipationsteam der Gewobag unterstützte die vier Veranstaltungen vor Ort mit einem „mobilen Haus“ und sammelte dort gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Ideen zum Thema „Gute Nachbarschaft“. Die Beiträge wurden auf unterschiedliche Weise festgehalten, etwa auf Post-its, mit Klebepunkten oder auf gestalteten Postkarten. Dieses Stimmungsbild bildet die Grundlage für das künstlerische Konzept, aus dem Jim Avignon das Motiv für die Fassadengestaltung am Kraepelinweg 3 entwickelt.

Bildsprache
Typisch für Avignon verbindet das Wandbild eine plakative, farbige und comicartige Bildsprache mit einer subtilen gesellschaftlichen Ebene. Zu sehen ist eine fröhlich wirkende Eisverkäufer-Figur, begleitet von einer etwas desillusionierten Weltkugel-Figur, die eine weiße Kapitulationsflagge in eine der Eiskugeln steckt. Der Kontrast zwischen kindlicher Leichtigkeit und leiser Melancholie verleiht dem Bild eine zweite Ebene.
Bedeutung für den Kiez
Das Urban Nation Museum versteht Urban Art als Kunst, die nicht neben dem Stadtraum existiert, sondern in ihm stattfindet. Mit Projekten wie „One Wall“ soll Kunst nicht nur gezeigt, sondern im Alltag präsent und für die Menschen vor Ort unmittelbar erfahrbar werden. Im Falkenhagener Feld soll das neue Wandbild so Austausch, Begegnung und Mitwirkung im Quartier anregen.
Das Werk steht damit beispielhaft für ein Kunstverständnis, das öffentliche Räume als Ort sozialer Wirkung begreift. Es verbindet die Einbindung der Nachbarschaft mit einer klaren künstlerischen Handschrift und einer leicht zugänglichen Bildsprache. Gerade diese Verbindung macht „The IceCream Man“ zu mehr als einem Wandbild: zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass Kunst im Kiez Gemeinschaft fördern und zugleich eigenständige Akzente setzen kann.
Ein Mural kann einem Kiez weit mehr geben als einen neuen Farbtupfer. Wo zuvor eine graue Fassade das Straßenbild prägte, entsteht ein sichtbares Zeichen von Identität, Kreativität und Zugehörigkeit. Kunst im öffentlichen Raum macht Orte wiedererkennbar, lädt zum Verweilen ein und kann das Gefühl stärken, im eigenen Viertel zuhause zu sein.
Entscheidend ist dabei die Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner. Wenn sie Motive, Themen oder Ideen mitentwickeln, wird das Kunstwerk nicht als bloße Verschönerung „von außen“ wahrgenommen. Es erzählt dann etwas über die Menschen und Geschichten vor Ort. Die gemeinsame Planung schafft Austausch, kann unterschiedliche Gruppen zusammenbringen und Akzeptanz für Veränderungen fördern.
Auch die optische Aufwertung hat praktische Wirkung: Ein gepflegter, lebendiger öffentlicher Raum wird häufig bewusster genutzt und respektiert. Das Mural kann zum Treffpunkt, Gesprächsanlass und kleinen Wahrzeichen des Kiezes werden – und damit die Bindung der Menschen an ihr Umfeld langfristig stärken.

Quartiersfest und Förderung
Die Einweihung wurde im Rahmen eines Quartiersfests gefeiert, das Teil des Förderprogramms Stadtraum!Plus der Stiftung Berliner Leben und der Gewobag ist. Das Programm unterstützt seit 2021 soziale und kulturelle Initiativen und setzt dabei besonders auf den Austausch im Quartier sowie auf Angebote für Kinder und Jugendliche. Im Fall von „The Ice Cream Man“ wurde das Wandbild nicht im Atelier fernab des Ortes entwickelt, sondern in einem partizipativen Prozess mit Ideen und Vorschlägen aus der Nachbarschaft.
Jim Avignon
Jim Avignon ist ein Berliner Mural-Künstler, Maler und Musiker, der seit den 1990er-Jahren mit farbintensiver, comicartiger Bildsprache bekannt wurde. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Pop-Art, Street Art und Gesellschaftskritik und sind oft schnell, direkt und bewusst zugänglich gestaltet.
Besonders prägend ist sein Ansatz, Kunst nicht als elitäres Objekt, sondern als Teil des öffentlichen Raums zu verstehen. Avignon hat weltweit Wandbilder realisiert, unter anderem im Rahmen von Projekten im Stadtraum, und ist für großformatige Arbeiten ebenso bekannt wie für seine Nähe zur Technokultur und zur Berliner Subkultur. Ein bekanntes Werk befindet sich an der East Side Gallery; 2013 sorgte er dafür auch mit einer umstrittenen Übermalung seines früheren Mauerbilds für Aufmerksamkeit.
Typisch für Avignon ist eine Bildsprache mit klaren Konturen, starken Farben und oft ironischem Unterton. Seine Motive greifen gesellschaftliche Themen auf, ohne den humorvollen oder spielerischen Zugang zu verlieren. Gerade diese Mischung aus Pop, Tempo und Kritik macht ihn zu einer prägenden Figur der Berliner Urban-Art-Szene.



