Thomas Freiberg aus dem Falkenhagener Feld fotografiert gerne die kleinen Dinge

Start der Serie, „Wir fotografieren in Spandau“

Thomas Freiberg mag Schmetterlinge (Foto: df)
Thomas Freiberg mag Schmetterlinge (Foto: df)

Unabhängig von Internet-Plattformen, die als eher flüchtiges Podium dienen, geht es mir hier ausschließlich um in Spandau lebende oder fotografierende Menschen. Mit diesen Portraits möchte ich einfach eine weitere Facette Spandauer Vielfalt zeigen und eine Möglichkeit bieten, sich im Bezirk zu vernetzen. Möglicherweise entwickeln sich daraus auch gemeinsame Foto-Touren oder Foto-Stammtische. Da ich nicht jeden persönlich kennen kann, wähle ich bewusst das formale „Sie“ in der Ansprache.

Jeder, der sich an dieser Portraitserie beteiligen möchte, kann mir gerne eine E-Mail senden. Dann kommt umgehend der Fragenkatalog, der bei jedem gleich ist. Wie und wie lang jeder antwortet, bleibt selbstverständlich jedem selbst überlassen.

Eine kurze persönliche Vorstellung

Mein Name ist Thomas Freiberg, ich bin im zweiten Jahr als Naturfotograf in Berlin Spandau, genauer gesagt, im Falkenhagener Feld und im Havelland tätig.

Ich bin 51 Jahre alt. Bevor ich anfing zu fotografieren, war ich zuerst als Tierpräparator, später dann als Beamter bei der DTAG tätig. Meine Hobbys waren, seit ich denken konnte, schon immer mit den Naturwissenschaften gekoppelt. Mit neun Jahren fing ich z.B. an, Geschiebefossilien zu sammeln; ein Thema, das mich bis heute noch fasziniert.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen? Wann haben Sie Ihr erstes Foto gemacht?

Vom Vater bekam ich beigebracht, wie man in der Dunkelkammer Filme und Fotos selber entwickelt und natürlich auch, welche Freude das bereitet. Ich kaufte mir mit zwölf Jahren eine gebrauchte Yashica TL-electro Spiegelreflexkamera und schon ging es los…

Warum fotografieren Sie?

Common Copper (Lycaena phlaeas) (Foto: Thomas Freiberg)
Common Copper (Lycaena phlaeas) (Foto: Thomas Freiberg)

Mein Schwerpunkt ist die Makrofotografie. Es bereitet mir unbeschreiblich viel Freude und Entspannung in meinen geliebten Mikrokosmos abzutauchen. Ich arbeite im Wald und auf der Wiese. Es ist einfach unbeschreiblich, was man in diesem Lebensbereich alles miterleben kann. Die Schönheit der Insekten, ihre heimliche Lebensweise, das möchte ich für den Betrachter auf eine möglichst ästhetische und künstlerische Art und Weise dokumentieren. Vieles ist bis heute auch bei uns noch unentdeckt geblieben. Es ist mein ständiger Forscherdrang, der mich immer wieder aufs Neue auf diese wundervolle Entdeckungsreise schickt. Für den Außenstehenden vielleicht nicht ganz leicht nachvollziehbar, verbinde ich diese Arbeit mit den höchsten Glücksgefühlen überhaupt. Ohne die dazugehörige Portion an Liebe, wären hochwertige Ergebnisse sicher nicht realisierbar.

Wo liegen Ihre fotografischen Schwerpunkte? Was fotografieren Sie besonders gerne?

Mein Schwerpunkt ist, wie schon gesagt, die Makrofotografie. Am liebsten nehme ich Insekten auf, ganz besonders Schmetterlinge. (siehe Foto Schmetterling)

Haben Sie Ihre Bilder schon einmal der Öffentlichkeit präsentiert?

Ja, und zwar zur Eröffnung des Kieztreffs, des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld West. Für vier Monate wurden zehn, meiner Arbeiten dort ausgestellt.

Wo sind Ihre Fotografien online zu finden?

Meine Aufnahmen sind auf meinen eigenen Websites zu sehen:

sowie bei Facebook und bei Microsoft®, in deren Personalisierungsgalerie veröffentlicht worden. Sie tauchen in diversen Fachberichten verschiedener Anbieter (z.B. Winfuture, Softpedia) im Internet häufiger noch auf.

Was ist für Sie schwierig zu fotografieren?

European Map (Araschnia levana) (Foto: Thomas Freiberg)
European Map (Araschnia levana) (Foto: Thomas Freiberg)

Diese Frage ist gut! Da muss ich etwas weiter ausholen. Vom technischen her, möchte ich sie lieber in der Umkehr beantworten. Trotz meiner bisherigen Erfahrungen mache ich mir die Arbeit niemals leicht, sondern wachse stetig in meinem Leistungspotential, und damit verbunden natürlich in meinen sichtbaren Ergebnissen. Parallel dazu ist auch automatisch ein Anstieg des Schwierigkeitsgrades zu verzeichnen. Aber ist die Arbeit deshalb schwierig? Nein, ganz sicher nicht. Sie geht mir „locker von der Hand“.

Vom praktischen her, da sieht es häufiger anders aus. Dabei kann ich schon mal ganz schnell an schwierige Bereiche kommen. Viele meiner Motive aus der Tierwelt sind nämlich von den örtlichen Bedingungen ihrer Lebensräume her recht schwierig zu erreichen bzw. schwierig aufzufinden. Da benötigt es schon mal wochenlanger Recherchearbeit und Vorbereitung um an das „Objekt der Begierde“ überhaupt erst einmal heran zu kommen.

Gibt es Orte, Objekte oder Personen die Sie unbedingt fotografieren möchten?

Ja sicher, da habe ich einiges geplant. Ich werde in diesem Jahr z. B. mehrere Standorte von Insekten aufsuchen, die unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, um die Tiere möglichst an ihren natürlichen Standorten noch einmal zu dokumentieren, bevor diese in naher Zukunft voraussichtlich für immer von unserm Planeten verschwunden sein werden.

Fotografieren Sie eher alleine oder gemeinsam mit anderen?

Ich fotografiere am liebsten in vollkommener Ruhe und bin ganz alleine bei meinen Schmetterlingen. Dann kann ich mich vollkommen der Arbeit widmen, habe den Kopf frei und kann mich einfach fallen lassen. Das loslassen vom Alltag, die vollkommene gedankliche Entspannung ist für meine Ergebnisse von wesentlicher Bedeutung. Ich dringe in den Lebensraum, den Mikrokosmos meiner Motive ein und erlebe, ja durchlebe eine gewisse Zeit mit ihnen. Das ist häufig sehr emotional und spiegelt sich in meinen Aufnahmen beim näheren Betrachten gewiss auch wieder.

Meistens nehme ich meinen 13-jährigen Sohn mit, weil ihm das Fotografieren genau so viel Freude macht wie mir und er prima Ergebnisse für sein Alter hervorbringt. Er sagt natürlich, er will später auch mal Fotograf werden, … so einer, wie der Papa.

Haben Sie schon einen eigenen Stil gefunden? Wie ließe sich dieser beschreiben?

Ja ich habe meinen eigenen Stil. Romantisch, verspielt, experimentell?

Bei meinen Aufnahmen spielen Nuancen eine große Rolle. Sehr sensible Menschen sind in der Lage, die emotionalen Inhalte, die in den Aufnahmen teilweise stecken, auszulesen. Viele anderen Menschen umschreiben meine Aufnahmen oftmals einfach nur als „schön“. Sie scheinen trotzdem irgendwie auf die Betrachter zu „wirken“. Vielleicht begründet sich dieses einfach in der Ästhetik, die in den Bildern steckt. Bevor ich jetzt aber in den Bereich des Kunstkritikers gerate, beende ich meine Ausführungen besser an dieser Stelle

;-).

Welche Fähigkeit ist beim Fotografieren am meisten gefragt?

Für mich ist es eindeutig die Phantasie, um eine Aufnahme zum Kunstwerk avancieren lassen zu können.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach ein besonderes Bild aus?

Silver-studded Blue (Plebejus argus) (Foto: Thomas Freiberg)
Silver-studded Blue (Plebejus argus) (Foto: Thomas Freiberg)

Meine liebste Aufnahme ist die, eines Grastrift-Bläulings (Plebejus argus), der durch seine neckische Körperhaltung besonders auffällt. Das Bokeh ist haargenau so geworden, wie ich es mir beim Fotografieren schon innerlich vorstellen konnte. Die Aufnahme möchte ich gerne mit einem Aquarell vergleichen, wegen der zarten Farbtöne, die im Bokeh entstanden sind. Die über Kreuz abgebildeten Grashalme fixieren, geben eine spürbare Statik in das Bild. Es stimmt einfach alles in dieser Aufnahme für mich. Es ist mein perfektes Foto.

Wie wichtig ist Ihnen die Meinung anderer, bezüglich der eigenen Bilder?

Ganz ehrlich, darüber habe ich mir bisher nur einmal Gedanken gemacht. Und zwar als mir eine Frau sagte, dass sie es toll fände, dass meine Ausstellung jetzt gerade endete, weil danach eine neue Ausstellung von Ölgemälden folgte. Sicher ist mir die Meinung des Betrachters sehr wichtig. Dieser Kritik- Super- GAU hatte mir schon im ersten Moment regelrecht das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Beim Hinterfragen stellte sich dann jedoch aber heraus, das die Dame Fotografien prinzipiell nicht als Kunst ansähe, sondern eben die Ölbilder viel eher für sie eine Form von Kunst darstellten. Insekten wären sowieso und prinzipiell eklige Tiere, selbst Schmetterlinge seien eklig. Da habe ich dann nun wirklich keine Chance mehr, mit meinen Aufnahmen in das Herz der Betrachterin vorzudringen. Von daher traf mich diese Aussage nicht mehr.

Ich habe mir einen kleinen Spaß mit ihr nicht verkneifen können und mich plötzlich als den Erschaffer der Fotografien geoutet, was sie ja vorher noch nicht wusste. Wir hatten im selben Moment beide herzhaft darüber lachen können. Ihre Meinung war so schön ehrlich, ohne diese Kenntnis. Es ist bisher die einzige Ausnahme geblieben, von daher bin ich recht zuversichtlich ;-).

Wie gesagt ist mir die Meinung des Betrachters sehr wichtig, sonst würde ich meine Werke nicht öffentlich ausstellen. Ich will den Menschen eine Freude damit bereiten und bin natürlich selber erfreut, wenn mir dieses glückt und ich dafür ein positives Feedback erhalte, welches mich dann auch beflügelt immer wieder weiter zu machen…

Gibt es ein fotografisches Vorbild?

Ja, es wird vielleicht verwundern, denn es handelt sich nicht um einen Naturfotografen. Es ist Steve McCurry. Der Mann, der damals das Mädchen Sharbat Gula im ersten Afghanistan- Krieg fotografierte. Für mich es das ausdruckstärkste Foto, das jemals gefertigt wurde. 1985 erschien es als Titelbild auf der National Geographic. Sharbat, war Vollwaise durch den Krieg geworden. McCurry wollte das Leiden der Kinder im Kriege verdeutlichen. Was Steve McCurry zu dem Zeitpunkt der Aufnahme nicht bewusst war, welche Wirkung Sharbats wunderschönen grünen und auch mit Angst erfüllten Augen, kurze Zeit später auf die ganze westliche Welt haben werden. Er fertigte, ohne es zu ahnen eine Aufnahme von historischer Bedeutung. Ich kann in diesem Gesicht, diesen Augen immer wieder etwas Neues entdecken, es geht eine ganz besondere Ausstrahlung von diesem Gesicht aus, die mir eine Gänsehaut verleiht. Das Foto ist mittlerweile zum Symbol des afghanischen Volkes geworden. Ich könnte mir, ähnlich wie Steve McCurry es tat, gerne vorstellen, das unendliche Leid der Kinder in Kriegsgebieten gerade auch heute wieder zu dokumentieren um damit die Menschen weiter auf die Sinnlosigkeit von Kriegen, die damit verbundenen Ungerechtigkeiten und das Sterben von unschuldigen Kindern hinzuweisen. Denn es geht ja bis in unsere Zeit in viel zu vielen Gebieten der Erde immer noch weiter, das sinnlose Morden.

Fotografieren Sie digital oder analog? Wann sind sie „ins digitale“ gewechselt?

Ich habe mit 12 Jahren analog angefangen. Das war 1974. Etwa um das Jahr 2000 herum fand die digitale Fotografie Einzug bei mir. Jedoch hatten die Kameras noch nicht Die Auflösungen, die ich für vernünftige Makrofotografie benötige. Außer natürlich die, die sich im selben Preissegment, wie z.B. ein Sportwagen bewegt hatten. Aber das war mir damals sicher einige Nummern zu groß. Seit drei, vier Jahren sah ich dann gute Möglichkeiten für bezahlbare und nun auch für meinen Zweck wirklich brauchbare Technik. Gut, meine Fotoausrüstung hat zwar immer noch so viel gekostet, wie ein Auto, aber es muss heute kein Sportwagen mehr sein, den man dafür opfert.

Spielt der Zufall beim Fotografieren eine besondere Rolle oder ist alles geplant?

Wenn ich zum Fotografieren auf die Wiese gehe habe ich im Vorfeld eine feste Planung vor meinem „inneren Auge“, quasi wie eine Skizze eines Kunstmalers, die die Grundzüge und die Proportionen des geplanten Bildes vorgibt. Am zufriedensten bin ich, wenn ich dieses dann genau so umsetzen kann und am Ende auch zu genau diesem vorgegebenen Ergebnis komme.

Da ich aber mit wildlebenden Tieren zu tun habe, die sich gewöhnlich nur schlecht an meine Vorstellungen halten ;-) muss ich logischerweise oft improvisieren. Ich analysiere meine Umgebung sehr genau und suche mir potentiell passende Standorte für mich aus. Das kann dann auch zum Erfolg führen. Und der Zufall? Na klar spielt der eine Rolle. Aber ich versuche ihn möglichst auch wieder planmäßig für mich zu nutzen. Das können sie jetzt sicher nicht nachvollziehen? Es funktioniert aber und ich werde es ihnen gerne erklären. Ich finde eine passende Umgebung, einen tollen „Landeplatz“ auf dem ich z.B. eine, sich in der Nähe befindliche Libelle, sehr gerne fotografieren möchte. Dann wird die Kamera in richtige Position gebracht und gewartet, bis sich mein Motiv genau wie auf dem Präsentierteller vor meiner Optik niederlässt … das ist die Königsklasse und braucht wirklich sehr viel Zeit und Geduld.

Spielt die digitale Bildbearbeitung eine Rolle? Wenn ja welche?

Natürlich bearbeite ich teilweise nach. Obwohl meine Nikon schon sehr gute jpg-Ergebnisse ausgibt, kann ich diese sicherlich noch dezent und sehr natürlich etwas in Form bringen. Womit? Welche Filter ich verwende? Da hat dann jeder wohl seine Geheimrezeptur…und das soll auch so bleiben.

Womit fotografieren Sie? Ist die Ausrüstung von Bedeutung?

Unbedingt! Ich arbeite digital nur mit Nikon und mit originalem Nikon Zubehör. Ich finde gerade in der Naturfotografie liefert Nikon mir recht naturnahe Farben. Besonders die gut verarbeiteten Optiken haben es mir angetan. Meine Kamera verzichtet auf den Tiefpassfilter und bekommt so noch etwas mehr an Schärfe. Es sind zwar nur feine Unterschiede, die man zwischen den unterschiedlichen Herstellern hat, aber jeder Fotograf sieht halt hier oder damit seinen Vorteil für sich. So ist das halt.

Nicht alles klappt immer perfekt? Was war die lustigste oder ärgerlichste Panne beim Fotografieren?

Also Gott sei Dank habe ich noch keine wirklich großartige Panne gehabt, bei der „Feldarbeit“. Gelegentlich wurden meine Motive direkt bei der Schärfeeinstellung von irgendeiner anderen Kreatur direkt vor meinen Augen gefressen. (Das passiert bei Spinnen häufiger) Gelegentlich fliegt ein seltenes Tier genau im spannendsten Moment des Abdrückens, des Auslösers zeitgleich los. Doch selbst, wenn das jetzt im ersten Moment wie eine kleine Panne aussehen könnte, entstehen doch trotzdem dabei meistens interessante Aufnahmen. Von daher fällt mir eigentlich kein Ereignis ein, das hier wirklich zutreffen würde.

Welcher Ort in Spandau ist ein besonders dankbares Fotomotiv, den auch Spandau Besucher unbedingt aufsuchen sollten?

Sicherlich wäre die Spandauer Zitadelle ein besonders dankbares Motiv. Sie tangiert meinen Fachbereich nur leider überhaupt nicht. Von daher kann ich dazu auch keine Beispielbilder mitliefern. ;-). Für mich gilt da eher der alte Grenzstreifen zwischen Spandau und Falkensee als besonders ergiebiger Ort. Dort tummeln sich im Hochsommer unendlich viele kleine Tiere…

Thomas Freiberg im April 2014

www.fotografie-lichtundschatten.de

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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