Winterdienst vernachlässigt Fuß- und Radverkehr

Winterdienst vernachlässigt Fuß- und Radverkehr

Seit über einer Woche herrschen in Berlin eisige Temperaturen. Für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, bedeutet das erneut: Eisglätte und gefährliche Wege ohne Räumung. Am Montag dokumentierte Changing Cities auf einer 26 Kilometer langen Route entlang zentraler Hauptverkehrsstraßen den Zustand: 57 Radverkehrsanlagen waren entweder ungeräumt, vereist oder dienten als Abladeplatz für Schnee von anderen Verkehrsflächen.

Ein Winterdienstkonzept sollte bereits Ende 2022 von der Senatsverwaltung vorliegen. Da es bis heute fehlt, gelten weiterhin 10 bis 15 Jahre alte Pläne, die Fuß- und Radverkehr nicht als vollwertigen Verkehr behandeln. Die Räumung dieser Wege hat schlicht keine Priorität. Dabei werden in Berlin 34 Prozent aller Wege zu Fuß und 18 Prozent mit dem Rad zurückgelegt – und auch alle ÖPNV- und Autonutzer sind auf Fußwege angewiesen.

„Bei Schneefall bricht die Hälfte des Berliner Verkehrs zusammen. Über die Hälfte aller Wege wird unzugänglich und gefährlich. Besonders ältere Menschen, Rollstuhlfahrer, Menschen mit Seh- oder Mobilitätseinschränkungen und Familien mit Kinderwagen können kaum noch das Haus verlassen. Unsere Dokumentation zeigt die katastrophale Situation auf Berlins Straßen. Sogar benutzungspflichtige Radwege bleiben ungeräumt! Für unsere Miteinander-Senatorin scheinen Fußgänger und Radfahrer keine Rolle zu spielen. Wer kein Auto fährt, soll offenbar zu Hause bleiben“, kritisiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Neben der BSR tragen auch Hauseigentümer Räumpflichten – diese werden jedoch sehr uneinheitlich wahrgenommen. Verstöße werden in Berlin kaum geahndet. Wie beim Falschparken nehmen die Ordnungsämter die Nicht-Räumung weitgehend hin.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist (www.salecker.info)