Unterwegs in Spandau

Wohnsiedlungen – Neuer Wohnraum für Spandau?

Rund 1.500 Wohnungen sollen im Bezirk entstehen

Unterwegs in Spandau
Unterwegs in Spandau

Berlin benötigt dringend neue Wohnungen. In Spandau ist dies nicht anders. Die Zeiten, in denen noch ein merkbarer Leerstand in den Großsiedlungen am Stadtrand zu verzeichnen war, sind eindeutig vorbei. Nicht erst die große Zahl an Flüchtlingen brachte das Problem in die Köpfe der Menschen. Rund 1.500 Wohnungen sollen in Spandau neu entstehen.

Drei Bauprojekte stehen für 2016 in Spandau auf der Tagesordnung. Zwei sollen noch Anfang dieses Jahres ihren Abschluss finden, eines in der zweiten Hälfte 2016.

In der Griesingerstraße im Falkenhagener Feld, direkt hinter der Stadtrandstraße, mit Blick auf die Spekteniederung, sollen 200 Wohnungen fertiggestellt werden. In der östlichen Niederneuendorfer Allee, im Ortsteil Hakenfelde, sind es sogar 315 Wohneinheiten. Der größte Wohnkomplex mit 1.000 Wohnungen soll – ebenfalls in Hakenfelde – in der Mertensstraße Ecke Goltzstraße entstehen.

Die Abteilung Bauen, Planen, Umweltschutz und Wirtschaftsförderung – Stadtentwicklungsamt – Fachbereich Stadtplanung, legte 2015 für die Grundstücke Mertensstraße 8/16 und Goltzstraße 50/53 im Bezirk Spandau, Ortsteil Hakenfelde, den Bebauungsplan VIII-48-3 aus. Betroffene und Interessierte hatte dort Gelegenheit, sich über die allgemeinen Ziele der Planung zu informieren und zu beteiligen.

Beschleunigung durch Änderungen von Flächennutzungsplänen

Änderungen von Flächennutzungsplänen in Berlin sollen die Nutzung von ehemaligen Industrie- oder Militärflächen für den Wohnungsbau ermöglichen. Immerhin ist dies endlich ein Anlass, hässliche Brachen und Ruinenlandschaften sinnvoll zu nutzen.

Schon 2013 gab es Überlegungen, wie die Industriebrachen an der Mertensstraße sinnvoll genutzt werden könnten. Die Flächen, um die es damals ging, gehörten privaten Eigentümern, die sich aber für eine Entscheidungsfindung sehr viel Zeit ließen. Ungeklärt war damals auch, wie mit möglichen Altlasten umzugehen sei.

Die abrissreife ehemalige britische Kaserne an der Goltzstraße Ecke Mertensstraße im Ortsteil Hakenfelde steht seit ewigen Zeiten leer und verfällt zusehends. Hier stehen noch Gebäude aus der Zeit des Deutschen Reichs. Ist irgendwann einmal der Flughafen Tegel geschlossen, dürfte dies ein sehr attraktives Wohnquartier sein.

Eine Berlin-Karte der Berliner Morgenpost zeigt die neuen Großsiedlungen in Berlin.

12.000 Wohnungen wurden in Berlin im letzten Jahr fertig gestellt. 2016 sollen es mindestens ebenso viele sein. „Wohnungsneubau und eine sozial gerechte Mietenpolitik werden auch in diesem Jahr meine politischen Schwerpunkte bleiben. Unser Neubaukurs hat sich bewährt. Allein die Wohnungsbaugesellschaften werden 2016 über 10.000 neue bezahlbare Wohnungen für Berlin auf den Weg bringen“, sagte Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt von Berlin.

Bei berlinweit 50.000 Flüchtlingen (allein in Spandau ca. 4.600), die derzeit noch provisorisch untergebracht sind, ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dazu kommt noch der alljährliche Zuzug nach Berlin in Höhe von 45.000 Neubürgern. Allein für Spandau wird für den Zeitraum 2015 bis 2030 ein Bevölkerungszuwachs von 7,3 % prognostiziert.

Bauen für Berlin und für die Flüchtlinge

Neben der Unterbringung von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften und Bestandsimmobilien braucht Berlin ein Sofortprogramm „Pionier-Wohnungsbau für Flüchtlinge“. Danach sollen in 2016 an etwa 10 Standorten insgesamt ca. 3.000 Wohnungen entstehen. Mit dieser Idee betritt Berlin Neuland. Die zukünftigen neuen Wohnquartiere werden anfänglich nach den Vorgaben des § 246 BauGB entwickelt; parallel dazu werden Bebauungspläne erstellt und die soziale Infrastruktur geschaffen. „Was als Flüchtlingsunterkunft begonnen hat, wird zur Keimzelle für eine langfristige Entwicklung mit normalem Wohnungsbau, so dass am Ende gewachsene Nachbarschaften und lebenswerte Wohnviertel entstehen“, so der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt von Berlin, Andreas Geisel.

Von den Grünen kommt Kritik:

Antje Kapek, die Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Stadtentwicklung meint dazu:

„Berlin wächst und braucht neue Wohnungen. Dafür benötigen wir eine Gesamtvision, wie dieses Wachstum gestaltet werden soll – diese fehlt dem Senat. Der Senat setzt auf anonyme Wohnklötze statt auf lebenswerte Kieze. Schon jetzt fehlen in fast allen neu entstehenden Quartieren ausreichend Kitas, Schulen und Geschäfte. Für die neu entstehenden Flüchtlingsunterkünfte an 60 Standorten in Berlin gibt es gar keine Planungen für soziale Infrastruktur in der Umgebung. Die Entstehung von Ghettos ist so programmiert.

Je dichter eine Stadt wird, desto wichtiger wird es, grünes Wachstum mitzudenken. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind für Senator Geisel aber ein Fremdwort. Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir heute Quartiere schaffen, die auch noch in 20 Jahren energetisch, ökologisch und sozial angemessen sind. Bei den modularen Flüchtlingsunterkünften setzt der Senat jedoch auf Betonburgen statt auf umweltfreundliche Holzbauten. In Tegel verpasst er die Chance, ein ökologisches Modellquartier mit Zukunftstechnologien zu schaffen.“

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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