Wortgetüm des Jahres 2026

Am 8. September, dem Weltalphabetisierungstag, wird in Berlin erneut das „Wortgetüm des Jahres“ bekanntgegeben. Mit der Aktion machen die Berliner Alpha-Bündnisse, die Stiftung Grundbildung Berlin und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften auf sprachliche Hürden im Alltag aufmerksam.

Das „Wortgetüm“ steht für ein besonders langes, komplexes und zugleich alltagsrelevantes Wort, an dem Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen schnell scheitern können. Ziel der Initiative ist es, diese Herausforderungen nicht nur sichtbar zu machen, sondern sie auch mit einem augenzwinkernden Format in die öffentliche Debatte zu holen.

Nach Angaben der Universität Hamburg leben in Deutschland rund 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren mit geringer Literalität. Viele von ihnen stoßen im Alltag regelmäßig auf Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von Formularen, Behördenbriefen oder Fachtexten.

Gerade lange und abstrakte Begriffe aus Amts-, Medizin- oder Rechtssprache können zur Hürde werden. Dabei geht es nicht um kunstvolle Extremwörter, die im Alltag kaum eine Rolle spielen, sondern um Begriffe mit hoher praktischer Relevanz. So zeigte schon das „Wortgetüm des Jahres 2025“ mit „Antidiskriminierungsbeauftragte“, wie anspruchsvoll selbst vertraute Sprache sein kann. Das Wort gilt wegen seiner Länge und Komplexität als alltagsrelevante Hürde, obwohl es im öffentlichen Leben vorkommt. Es steht exemplarisch für Verwaltungssprache, die für gering literalisierte Menschen schwer zugänglich sein kann.

Die Wahl für 2026 trifft eine Jury aus Menschen, die selbst von geringen Lese- und Schreibkompetenzen betroffen sind. In einem begleiteten Verfahren stimmen gering literalisierte Erwachsene über das Wort ab, das ihnen in diesem Jahr am meisten Schwierigkeiten bereitet hat. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von Tina F., die aus der ZDF-Dokumentation „Buchstäblich leben!“ bekannt ist.

Die sprachwissenschaftliche Grundlage liefert das DWDS. Mithilfe großer Textkorpora identifizieren die Forschenden besonders komplexe und verbreitete Wörter in aktuellen Sprachverwendungen. Die Vorauswahl für das „Wortgetüm“ beruht damit nicht auf Zufall, sondern auf belastbaren sprachlichen Daten.

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