Meine Oma van Gogh - in der Stzadtbibliothek

Ausstellungseröffnung: „Meine Oma van Gogh“

30. Oktober 2012
18:00

Künstler aus der AWO-Tagesbetreuung präsentieren ihre Werke in der Spandauer Stadtbibliothek

Meine Oma van Gogh - in der Stzadtbibliothek
Meine Oma van Gogh - in der Stzadtbibliothek

Von wegen „altes Eisen“! Zwischen 50 und 100 Jahre alt sind die Damen und Herren aus der Tagesbetreuung der AWO, die zum ersten Mal einen Pinsel in die Hand nahmen und ein Bild schufen.

„Jeder Mensch ist ein Künstler“ sagte schon Joseph Beuys.

Elena Melichowa, selbst Künstlerin, begleitet kunsttherapeutisch die älteren Menschen auf ihrer aufregenden Entdeckungsreise in eine neue Erfahrungswelt. Im nachfolgenden Text beschreibt sie eindrucksvoll ihre Arbeit in diesem Projekt.

Warum „van Gogh“?

Einige Senioren haben Postkarten von van Gogh als Motiv für Ihre Bilder gewählt. Viele von diesen Menschen leiden an ihren Krankheiten. So dachte ich, eine Oma, die ein wunderbares Bild malt, steht doch für mich auf einer Ebene mit dem auch erst nach seinem Tod, bekannt gewordenem Künstler. Es liegt auch bei diesen alten Menschen noch so vieles verborgen, unentdeckt, unerfüllt …

Es gibt alte Menschen, die sind bis ins hohe Alter aktiv und selbst bestimmt. Leider geht das nicht allen Senioren so. Gerade wenn sie krank und in ihren Möglichkeiten begrenzt sind, brauchen Menschen sinnvolle Aufgaben, die sie selbst bewältigen können. Darum habe ich vor 10 Jahren in der AWO Tagesbetreuung eine Malgruppe gegründet.

Farbe heilt die Seele

Manche Menschen, die nicht sprechen können, reden durch ihre Bilder. Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für alte oder kranke Menschen, die ganz lange nichts Künstlerisches mehr getan haben. Und sich vielleicht doch danach sehnen.

Ich bin aber immer wieder über die entstehenden Werke begeistert. Erfolgserlebnisse, und seien sie noch so klein, machen glücklich. Immer wieder aufs Neue. Wir malen mit Acryl und Aquarell. In der Acrylmalerei ermöglicht das Farbmaterial verschiedenste Malmöglichkeiten, vom Lasieren bis zur dickschichtigen Malerei. Mit Acrylfarbe kann fast jedes gewünschte Ergebnis erzielt werden. Mein Ziel ist, dass die Menschen ein Aha-Erlebnis haben und ihren Kräften mehr Vertrauen schenken.

In dieser Zeit kamen Senioren und gingen …einige sind verstorben, einige kamen ins Altersheim, einige sind so dement geworden, dass sie ihr eigenes Bild gar nicht mehr erkennen … Es ist traurig. Ich muss mich damit abfinden, wenn ich Morgens komme, könnte es immer passieren, dass einer(e) „meiner Künstler“ einfach nicht mehr lebt …

Aber es ist auch ein wunderbares Gefühl, wenn ich die Entwicklung einer Frau beobachten darf, die von Anfang an dabei ist und zum ersten Mal bei uns mit Malerei angefangen hat oder wenn ein alter halbgelähmter Mann so ein tolles Bild schafft, was niemand von ihm, geschweige er von sich selbst erwartet hat …

Manche Menschen, die nicht sprechen können, reden durch ihre Bilder

Es sind viele kostbare Bilder entstanden. Motive sind unterschiedlich, von Landschaften bis Blumen und Tiere. Einige Werke möchten wir in dieser Ausstellung präsentieren. Wenn es technisch und gesundheitlich klappt, werden einige der Künstler auch anwesend sein.

Die Farbe heilt die Seele. Manche Menschen, die nicht sprechen können, reden durch ihre Bilder. Ich bin immer wieder über die entstehenden Werke begeistert. Erfolgserlebnisse, und seien sie noch so klein, machen glücklich. Immer wieder neu. Unsere Künstler sind zwischen 50 und 100 Jahre alt!

Mittlerweile sind bereits viele kostbare Bilder entstanden. Einige dieser Werke möchten wir Ihnen in der Ausstellung präsentieren. Mögen dadurch die künstlerischen Fähigkeiten von älteren Menschen eindrucksvoll dargestellt werden.

Ich danke den Künstler(innen), die diese Werke geschaffen haben, dafür, dass sie uns auf diese Weise Einblick in ihre innersten Gefühle gewähren und wünsche der Kunstausstellung viele Besucher(innen).

Ich sehe in diesem künstlerischen Schaffen nicht bloß eine therapeutische Maßnahme, sondern sinnvolle Arbeit, die ein Selbstwertgefühl vermittelt, weil die Bilder eine Anerkennung bekommen. Für mich sind diese Menschen wahre Künstler!

Elena Melichowa

 

Die Vernissage beginnt am 30. Oktober um 18 Uhr im Lesesaal der Stadtbibliothek Spandau und geht bis zum 29.11.2012.

  • Öffnungszeiten:
  • Mo, Mi, Fr 11 bis 20 Uhr
  • Di, Do 11 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr
  • Stadtbibliothek Spandau, Carl-Schurz- Str.13 13597 Berlin

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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