„Das mysteriöse Ding – im Kiez ist was los“ – das Theaterprojekt der Christian-Morgenstern-Grundschule

Christian-Morgenstern-Grundschule aus Spandau gewinnt

Ein Schatz ist gefunden – Wettbewerb der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp

„Das mysteriöse Ding – im Kiez ist was los“ – das Theaterprojekt der Christian-Morgenstern-Grundschule
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„Das mysteriöse Ding – im Kiez ist was los“ – das Theaterprojekt der Christian-Morgenstern-Grundschule

Christian-Morgenstern-Grundschule aus Spandau gewinnt mit ihrem Projekt „Schatzsuche“ beim bundesweiten Wettbewerb der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp!

Kultur ist nicht  Luxus, sondern Notwendigkeit, so lautet ein Motto des Wettbewerbes.

180 Schüler und Schülerinnen der Christian-Morgenstern-Grundschule brachten nach nur dreimonatiger Vorbereitungsphase ein Theaterstück auf die Bühne, in dem sie die Besonderheiten ihres Heimatkiezes Spandau vorstellen. Die Kinder aller Altersgruppen hatten den Bezirk vorher aufmerksam beobachtet.

Unterstützung bekamen die Kinder von Theaterpädagogen des Grips- Theaters mit spielerischen Übungen. Und auch die Lehrerinnen wurden durch Workshops mit einbezogen – ein Beispiel von Kooperation zwischen Schule und Kultur auf allen Ebenen. Mit diesem altersübergreifenden Projekt bewarb sich die Schule in der Sparte Theater beim bundesweiten Kinder zum Olymp!-Wettbewerb der Kulturstiftung der Länder, durchlief erfolgreich die ersten Auswahlrunden und überzeugte zum Schluss die vierköpfige Jury: „Besonders beeindruckt hat uns die gelungene Verzahnung aller Gruppen: Schüler, Künstler, Pädagogen – und sogar Eltern!“ Das Preisgeld von 1.000 Euro nahmen die Kinder am 12. September im Konzerthaus am Gendarmenmarkt entgegen.

„Die Schätze der Kinder bergen!“ – die Ziele

Der Ausgangspunkt der Schulleitung und zweier Lehrerinnen war der Wunsch, den SchülerInnen, die überwiegend in Familien leben, in denen kein Deutsch gesprochen wird, und von denen viele als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, mit Theater ein anderes Ausdrucksmittel an die Hand zu geben, um ihre oft schwierigen, aber reichhaltigen und vielfältigen Geschichten erzählen zu können. Das Leben im Kiez sollte nicht nur defizitär wahrgenommen werden, sondern es galt auch, seine Schätze zu bergen. Ebenso sollten die Fähigkeiten und Interessen der Kinder zum Vorschein kommen. Dahinter stand für die Zukunft die Vision einer lebendigen und kulturell aktiven Schule. Langfristig könnte eine Einbindung von Theatermethoden in den Unterricht erfolgen. Das Projekt sollte darüber hinaus in den Stadtteil hineinwirken und den durch das Wohnumfeld bedingten schlechten Ruf der Schule verbessern helfen.

„Das mysteriöse Ding – im Kiez ist was los“ – das Theaterprojekt

Ausgangspunkt war die Schatzsuche im Kiez. Alle acht Klassen, die an der Schnupperphase teilgenommen hatten, bekamen vom Projekt erzählt und hatten die Aufgabe, sich im Stadtteil auf die Suche zu machen nach interessanten Geschichten. Sie schwärmten aus, besuchten Kultureinrichtungen, Geschäfte, Privatpersonen, ein Jugendzentrum, ein Seniorenheim entwickelten Fragen, führten Interviews, schrieben Geschichten auf, zeichneten Grundrisse und Handtaschensammlungen… Heraus kam eine bunte Mischung aus feinen Beobachtungen, lustigen oder erschreckenden Begebenheiten, Haltungen zum Stadtteil usf.

Das Spektakel

Die Rahmenhandlung war ein Ereignis vor dem benachbarten Einkaufszentrum, einem zentralen Ort des Kiezes: über Nacht hatten Unbekannte vor dem Staaken-Center eine abstrakte Statue aufgestellt. Die Anwohner geraten in helle Aufregung. Sollte das Provokation sein? Einigen gefällt das bunte Ding. Schließlich stellt sich daraus, dass Kinder es gebaut und aufgestellt hatten, um dem Stadtteil etwas Schönes hinzuzufügen. Diese Geschichte bot den Kindern vielfältige Möglichkeiten, ihre Beobachtungen auf die Bühne zu bringen – es gab eine Gruppe alter Menschen, eine Frau am Rollator, ein Team von Müllmännern, viele Mütter und Schwangere, die sich zum „Bussiballett“ formierten, rappende Jugendliche, die in der Musikgruppe ihren Beitrag entwickelt hatten. Tanz war ebenso integriert wie die Bühnenmusiker, die einzelne Szenen und Bühnenaktivitäten stimmungsvoll untermalten.

Bei der Preisverleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Schulen kooperieren mit Kultur“ der Kulturstiftung der Länder werden 27 innovative Kooperationsprojekte von Schulen und ihren Kulturpartnern prämiert. Insgesamt fließen in diesem Jahr Preisgelder in Höhe von 31.000 Euro an erfolgreiche kulturelle Bildungsprojekte aus neun Bundesländern. Spitzenreiter mit acht Gewinnerprojekten im Wettbewerb ist das Land Nordrhein-Westfalen. Mit je sechs Preisträgern folgen Bayern und Berlin. 1.000 Euro Preisgeld erhalten in Berlin: die Nürtingen-Grundschule, die Alfred-Nobel-Sekundarschule, die Carl-von-Linné-Schule für Körperbehinderte, die Lemgo-Grundschule sowie die Schule am Mummelsoll. Ein Preis geht jeweils nach Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und ins Saarland. Auf der Website www.kinderzumolymp.de sind alle Preisträger des 7. Wettbewerbs ausführlich verzeichnet.

Zum 7. Mal rief die Kulturstiftung der Länder im Rahmen ihrer Bildungsinitiative Kinder zum Olymp! gemeinsam mit der Deutsche Bank Stiftung zum Wettbewerb auf, mit großer Resonanz: Mehr als 850 allgemeinbildende Schulen – von der 1. Klasse bis zur Oberstufe – haben sich mit innovativen Projekten aus den Sparten Bildende Kunst/Architektur/Kulturgeschichte, Musik, Musiktheater, Film/Fotografie/Neue Medien, Tanz, Theater und Literatur um die begehrten Auszeichnungen beworben. Bundespräsident Christian Wulff ist Schirmherr der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp!, die sich als Protagonistin der kulturellen Bildung zum Motor für kreative Kooperationsprojekte zwischen Kultur und Schule entwickelt hat.

Die 27 Preisträger kommen aus Gymnasien, Grund- und Hauptschulen sowie Gesamt- und Förderschulen. Vergleichbar breit ist das Spektrum bei den Kooperationspartnern: Der Künstler aus der Nachbarschaft der Schule war ebenso beteiligt wie das Staatstheater, die Gemeindebibliothek oder die Jugendmusikschule vor Ort.

Die Geschichte von Kinder zum Olymp! ist seit der Gründung im Jahr 2003 eine Erfolgsgeschichte: steigende Teilnehmerzahlen, die Auszeichnung als „Ausgewählter Ort 2008“ im Rahmen von „Deutschland – Land der Ideen“, die Empfehlung des Wettbewerbs durch die Kultusminister­konferenz und nicht zuletzt die vielen phantasievollen Projekte und das wachsende Engagement von Schulleitungen, Lehrern, Künstlern und kulturellen Einrichtungen, das die Initiative weiterhin bei der Verwirklichung ihres Ziels bestärkt: „Wir werden so lange zum Wettbewerb aufrufen, bis es gelungen ist, ein dauerhaftes und flächendeckendes Angebot an kreativen, künstlerischen Projekten für alle Schülerinnen und Schüler zu sichern“, erklärte Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder.

 

Der nächste Wettbewerb startet am 12. September. Die Registrierung ist nur über die Internetseite www.kinderzumolymp.de möglich.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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