Jörg Sonnabend mit Mutter und deren Kollegen, 1944

Luftschutzbunker an der Heerstraße

Spandauer Erinnerungen von Jörg Sonnabend 1942-1945 – Teil 4

Jörg Sonnabend mit Mutter und deren Kollegen, 1944
Jörg Sonnabend mit Mutter und deren Kollegen, 1944

In unserer Nähe, wie z.B. Weinmeisterhöhe, Weinmeisterhornweg oder im vorderen Teil der Scharfen Lanke, wurden aber doch etliche Häuser zerstört. Unser Schulweg führte uns dann immer an brennende Trümmer vorbei, es lag ein ekliger Brandgeruch in der Luft. Am schlimmsten war der Geruch wenn Phosphorbomben, die sog. „Phosphorkanister“ abgeworfen wurden. Unser Hobby hieß jetzt „Granatsplitter sammeln“. Der Weg zur Schule war lang und die Ausbeute dementsprechend. In der Schule wurde die Ausbeute begutachtet und die größten Funde bewundert. Bedauert haben wir nur, dass unsere Schule nie vollgetroffen wurde.

Es entstanden jetzt im Stadtgebiet immer mehr Luftschutzbunker aus Beton. Der nächst gelegene von uns ein sog. Flachbunker also nur ebenerdig, befand sich an der Gatower Ecke Heerstraße, ungefähr hinter der heutigen Esso-Tankstelle. Da wir uns in unserem Luftschutzkeller nicht mehr sicher genug fühlten bemühten wir uns um einen Platz in diesem Bunker.

Da die Schlafplätze hier sehr begehrt waren kamen wir erst mal auf eine Warteliste. Wir mussten uns damit begnügen den Bunker bei Sonnenuntergang aufzusuchen und wenn bis ca. 23.00 Uhr kein Fliegeralarm erfolgte wieder den Heimweg anzutreten um wenigsten noch etwas zu schlafen. Es war immerhin ein Fußweg von ca. 30 Min., wobei wir uns immer der Gefahr aussetzten unterwegs von einem späteren Angriff überrascht zu werden.

Alles strapaziös und gefährlich. Man hatte aber bald ein Einsehen mit uns und wir bekamen Bunkerschlafplätze zugewiesen. Der Bunker war in Schlafkabinen mit je 6 Schlafplätzen eingeteilt. Wie viel Kabinen der Bunker hatte, weiß ich heute nicht mehr, wir hatten jedenfalls die Kabine 16. Der Platz war sehr beengt, in der Mitte ein schmaler Gang und rechts und links je ein 3 stöckiges Bett. Meine Mutter, ich, mein Freund Horst mit Mutter und noch 2 fremde Personen schliefen in diesem „Kaninchenstall“, wie wir unsere Schlafstätte immer nannten. Es ging gut, wir störten uns nicht, wir waren alle froh dass wir ohne von der Luftschutzsirene gestört zu werden, durchschlafen konnten.

Wenn nachts bei Alarm Bomben fielen und Flakbeschuss den Himmel erhellte, hörten wir im Bunker nichts. Da ich im obersten Bett, kurz unter der Decke schlief und sich in meiner Nähe das Lüftungsgitter befand, hörte ich durch die Lüftung immer nur ein leises Grummeln. Die hygienischen Zustände waren natürlich stark eingeschränkt. Man zog sich ja zum Schlafen auch nie ganz aus. Alles war praktisch Notbetrieb.

Uns Kinder störte dies alles natürlich nicht und wie die Erwachsenen dies empfanden kann ich heute leider nicht mehr sagen. Wir gingen jedenfalls dann von hier aus zur Schule und die Erwachsenen an ihre Arbeitsstätten. Da unsere Schule erstaunlicher Weise von Bomben nie voll getroffen wurde hatten wir bis kurz vor Kriegsende, so ca. bis Ende März 45, einen verhältnismäßig regelmäßigen Schulbetrieb.

Es gab natürlich auch Nächte an denen wir unseren Betonklotz nicht aufsuchten, z. B. am Wochenende, oder wenn die Großeltern aus Berlin-Kreuzberg zu Besuch kamen, oder mein Vater hatte Fronturlaub. Bei Alarm mussten wir dann wieder unseren Hauskeller aufsuchen, wo wir dann wieder das ganze Feuerwerk erlebten. An Daten der Angriffe bzw. der schweren Angriffe kann ich mich nicht mehr im Einzelnen erinnern.

 

 

Jörg Sonnabend

Ende Teil 4 von 5

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