Packstationen in Spandau – eine sportliche Übung

Die Post bietet die weitesten Wege für ihre Kunden

Heute sollte ein Paket eintrudeln. Nichts ungewöhnliches eigentlich. Das Zeitfenster, in dem die Paketdienste bei mir in der Gegend erscheinen, ist recht großzügig.

Es kam, wie es kommen musste. Ich war nicht da und der Bote hinterließ einen gelben Zettel in meinem Briefkasten, damit ich mir das Paket selbst abholen darf/kann/muss …

Da in Spandau, wie an anderen Orten auch, die Postämter reduziert wurden und möglicherweise noch werden, stellte ich mich schon auf eine von zwei möglichen Poststellen in Spandau ein. Beide liegen nicht gerade um die Ecke. Glücklicherweise bin ich noch jung und mobil. Alle anderen sind wohl nicht mehr die Kundenzielgruppe der Post.

Da hatte ich aber nicht die Rechnung mit der modernen Post gemacht. DHL verfügt über gaaaaanz moderne – menschenfreie – Möglichkeiten, ein Paket für die Abholung zu deponieren. Packstationen sind das Zauberwort. Gelbe Kästen, die irgendwo in der Landschaft stehen und in ihren dicken Bäuchen Überraschungspakete für die Kunden der Post verbergen. Ein Laser tastet den Strichcode auf dem Abholschein ab und schon beginnt das spannende Spiel.

Fast kommt ein Gefühl von Adventszeit auf. Wenn solch ein gelbes Ungetüm mehrere Türen aufweist, dann denkt man fast an ein Hütchenspiel oder an alte Quiz-Shows aus den Frühzeiten des Fernsehens: Ich hätte gerne Tor 1 …

Da mich aber niemand fragt, muss ich mich in Geduld üben …

Diese Geduldsprobe lässt sich noch steigern. DHL hat sich jetzt wohl überlegt, das die Bewohner Spandaus ihren Bezirk noch nicht so gut kennen. Wer als erwartet, mit seiner Paketkarte zur nächstgelegenen Packstation geleitet zu werden, der irrt – selbstverständlich.

Folgende Optionen standen zur Auswahl:

  1. Packstation  145 – Posthausweg 5 – 4,0 km
  2. Packstation 146 – Flankenschanze 15, Berlin – 3,3 km
  3. Packstation  147 – Obstallee 28, Berlin – 1,7 km (hier gibt es auch ein Postamt)
  4. Packstation  148 – Klosterstr. 3, Berlin  – 1,8 km (hier gibt es auch ein Postamt)
  5. Packstation  185 – Wilhelmstr. 21-25 – 326 m
  6. Packstation  200 – Gartenfelder Straße 71 – 4,9 km
  7. Paketbox Heerstraße 284 – 250 m

Selbstverständlich wurde nicht der unsinnigen Logik gefolgt, eine möglichst kurze Wegstrecke für den Postkunden auszuwählen. Glücklicherweise war es dann auch nicht der weiteste Weg innerhalb Spandaus. Das obere Drittel der Wegstrecken sollte es aber sein.

3,3 km nach Auskunft der Post und 3,9 km nach Angaben des Kartendienstes von Tante Google.

Ein älterer Mensch, der auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist,  wäre für diesen Weg mit dem Bus etwa 25 Minuten unterwegs. Plus Rückweg macht das schon 50 Minuten.  Ist das ein guter Service am Kunden?

Nachtrag 1:

Ich hätte es mir ja denken können. Das Paket war natürlich nicht zur festgesetzten Zeit am angegebenen Ort. Um den Verbleib des Paketes zu erfahren müsste ich eine kostenpflichtige Telefonnummer bemühen …

Mal schauen, ob es irgendwann einmal dort ist …

Nachtrag 2:

Fast war es zu erwarten. Auch 24 Stunden später war kein Paket am angegebenen Ort. Wenn Menschen durch Maschinen ersetzt werden, dann ist dies wohl unsere Zukunft.

Ich danke Dir DHL, für eine weitere unsinnig verbrachte Stunde, um etwas abzuholen, was nicht da war. Ein ganz besonderer Service der Deutschen Post.

Ach ja, heute muss man ja weltweiter Logistik-Dienstleister sagen. Da kann man nicht erwarten, dass regional alles funktioniert …

Packstationen haben sogar eine eigene Internetadresse: www.packstation.de

Dort ist es sogar möglich eine E-Mail abzusenden. Mal schauen, was dieser Versuch so bringt.  Der freundliche Text lässt schon böses ahnen.

Rund um die Uhr will der Kundenservice von DHL erreichbar sein …

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für die Zusendung Ihrer Anfrage.

Gerne werden wir Ihr Anliegen kurzfristig und zu Ihrer Zufriedenheit klären und beantworten.
In einzelnen Ausnahmefällen kann in Ihrem Interesse zur Klärung einer Anfrage auch eine ausführlichere Recherche notwendig sein. In diesem Fall bitten wir Sie um etwas Geduld und bedanken uns im Voraus für Ihr Verständnis.

Sobald wir aktuelle Informationen vorliegen haben, werden wir Sie dementsprechend umgehend informieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr DHL Team

Nachtrag 3:

48 Stunden später ist die Nachfrage immer noch nicht beantwortet worden. Das Logistik-Unternehmen DHL scheint hier vor eine sehr schwierigen Aufgabe zu stehen.

Der Versuch über die Eingabe der Nummer, das Paket zu verfolgen, schlug übrigens fehl. Diese Sendung scheint der DHL nicht bekannt zu sein …

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

7 thoughts on “Packstationen in Spandau – eine sportliche Übung

  1. Ich finde den Dienst „Packstation“ sehr gut. Als angemeldeter Kunde habe ich mit meiner eigenen PostID die Möglichkeit, einem Versender die Packstation in meiner Nähe als Ziel vorzugeben. Das funktioniert, schon selber oft mit Amazon durchexerziert, absolut reibungslos. Ich bekomme mein Paket zu jeder Tages- und Nachtzeit, muss nicht in den Spandau Arkaden Parkhausgebühren bezahlen, dann vom Parkhaus noch 1 km zur Filiale laufen, und mich an der endlosen Schlange im „Postamt“ anstellen, wo ich zum Schluss noch gefragt werde, ob ich nicht noch ein Postbankkonto o.ä. bräuchte. Der einzige Nachteil an der Packstation 146 ist das, ähem, primitive Umfeld. Der Kaisers Markt, der sich dank endloser Öffnungszeiten als „Alko“ Tankstelle mit entsprechendem Publikum präsentiert, ist ziemlich ekelig.

    Aber trotzdem: Ich hätte lieber wieder das Postamt gegenüber den Arkaden zurück. Das war das Beste, was die Post in Spandau hatte. Viele Schalter, kurze Schlangen, kostenfreie Parkplätze, kurzum: Dienst am Kunden! Und sogar einen schönen Springbrunnen vor der Tür. Ich ärgere mich immer, wenn ich die jetzige Ruine sehe. Das macht mich traurig.

  2. Packstationen sehe ich nicht als vorbildlichen Service der Post, auch wenn es so erscheinen mag. Natürlich kann ich dort jederzeit – theoretisch – mein Paket abholen (wenn es denn, wie angekündigt da ist …). Packstationen dienen in erster Linie dazu, Personal einzusparen. Eingespart werden auch weitere Postfilialen, so wahrscheinlich auch die Filiale im Falkenhagener Feld. Das Postgebäude soll verkauft werden. Möglicherweise wird auch hier, wie schon in der Wilhelmstadt, wieder eine gut genutzte Serviceeinrichtung geschlossen. Das hier eingesparte Geld, wird das „Logistik-Unternehmen dann ganz bestimmt weltweit investieren.
    Eine echte Postfiliale, in der der Dienst am Kunden noch groß geschrieben wird, wäre wirklich eine feine Sache. Wer aber so etwas heute wünscht, muss leider als Träumer gelten.

  3. Packstationen sind eine ganz tolle Sache. Ich muss mich mit niemandem unterhalten, weil ich prinzipiell maulfaul bin. Ich muss nicht freundlich lächeln und muss mich auch nicht über einen unfreundlichen Postdienstleistungsschaltermenschen ärgern. Ich kann da hingehen, wann ich will und wie ich da hinkomme, interessiert auch niemanden. Das ist doch wirklich toll.
    Ich war auch schon mal an einer solchen Packstation. Mit dem Bus – reine Fahrzeit – nur 5 min oder so. Nur blöd, dass der 131 nur alle 20 min fährt. Laufen ist ja gesund. Also 30 min Fußmarsch hin – und 30 zurück für ein Amazonpäckchen, das der freundliche Paketzusteller auch gern beim Nachbarn hätte abgeben können. Es hätte auch in den Briefkasten gepasst. Erwähnte ich, dass es wie aus Kübeln schüttete, ich aber dringend diese Lieferung brauchte? Nee? Ach, ist ja auch egal. Packstationen sind trotzdem eine ganz tolle Sache – solange man nicht im Regen steht.

  4. Nachtrag:
    Etwa 8 Wochen, nachdem ich mich beim Paketdienstleister über den schlechten Service beschwert hatte, bekam ich eine Antwort.
    Sie bestand aus nichtssagenden Textbausteinen …

  5. „Wir bedauern sehr, dass Sie mit unserem Service nicht zufrieden waren, bedanken uns aber in aller Form für die konstruktive Kritik, die uns helfen wird, NOCH kunden(un)freundlicher zu werden.“

  6. Zu diesem Thema kann ich folgendes Erlebnis beisteuern:
    Am 13.09.11 erhielt ich eine SMS mit der Mitteilung, dass meine Sendung leider NICHT in die gewünschte PACKSTATION eingestellt werden konnte. Am nächsten Werktag läge sie für micht ab 11:00 Uhr in der Filiale Klosterstraße 3 zur Abholung bereit.
    Dass es sich bei der Filiale Klosterstraße um eine Niederlassung in den Spandauer Arcaden innerhalb eines stark frequentierten Einkaufszentrums in der Altstadt handelt, ist hinlänglich bekannt, ebenso wie die Tatsache, dass Parkmöglichkeiten nur gegen Entgelt – in einem recht weitläufigen Parkhaus – angeboten. Ich hätte es begrüßt, wenn die Sendung in der Obstallee eingelagert worden wäre, die schneller zu erreichen ist und kostenlose, nahe gelegene Parkmöglichkeiten bietet. Wie sich herausstellte, war die Sendung NICHT in der Packstation Klosterstraße hinterlegt. Meine Rückfrage in der dortigen Poststelle, bei der ich mich an einer Warteschlage von ca. 25 bis 30 Kunden bei nur einem geöffneten Schalter vorbeischummelte, verlief ergebnislos. Nachdem ich nunmehr rund 50 Minuten incl. entrichteter Parkgebühren aufgewendet hatte, musste ich meinen Heimweg unverrichteter Dinge antreten. Ich habe die DHL und den Absender der Lieferung informiert und bin auf die jeweiligen Reaktionen gespannt. Ohne Reklame machen zu wollen: das nächste Mal nehme ich die Dienste von Hermes in Anspruch. Dort hatte ich bisher noch nie Probleme.

  7. Eine sportliche Leistung ist es auch, sich in der Bismarckstraße durch die Ansammlung von alkoholisierten Personen den Weg zur Packstation freizuschieben. Wenn man dann die Packstation bedient, wird man vom Köter der um einen herumstehenden Bierflaschenhalter abgeschnüffelt. Wirklich lecker! Nachschub zum Saufen gibt’s dann beim Kaiser’s hinter der Packstation, welches als „Suff-Tankstelle“ auch brav bis 24:00 Uhr geöffnet ist. Die Gewerbefreiheit macht’s möglich, danke dafür!

    Die Öffnungszeiten der Kaiser’s Filiale: Mo-Fr: 7.00 – 24.00, Sa: 7.00 – 23.30

    Welches Klientel bedient man mit diesen Öffnungszeiten? Dreimal darf man raten…

    Schönes Spandau, und kein Vorgänger ist schuld daran.

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