Evangelische Jeremia-Gemeinde im Falkenhagener Feld (Foto: Ralf Salecker)

Erzählcafé im Foyer der Spandauer Jeremia-Gemeinde

Die Luftbrücke in Spandau

Evangelische Jeremia-Gemeinde im Falkenhagener Feld (Foto: Ralf Salecker)
Evangelische Jeremia-Gemeinde im Falkenhagener Feld (Foto: Ralf Salecker)

Die Jeremia-Gemeinde im Falkenhagener Feld hat seit kurzem ein ansprechend hergerichtetes Foyer. Zu ersten Mal war es nun Ort für das zukünftig regelmäßig stattfindende Erzählcafé. Ein Blick zurück in die Spandauer Geschichte soll hier getan werden, kein intellektueller oder vor Daten strotzender Historientrip, sondern die lebendige Begegnung mit der Vergangenheit des Bezirks.

Den Anfang machte der Geschäftsführer der Stiftung Luftbrückendank Heinz-Gerd Reese. Eingerichtet wurde die Stiftung 1959 anlässlich des 10. Jahrestages des Endes von Blockade und Berliner Luftbrücke 1948-49. Sie soll die Verbundenheit Berlins mit den Trägern der Luftbrücke zum Ausdruck bringen. Heute kümmert sie sich verstärkt um die noch lebenden Piloten, die zwischenzeitlich fast vergessen schienen.

Briefmarke (25 Pfennig) zum 10. Jahrestag des Endes der Bloackade Berlins und der Luftbrücke.
Briefmarke (25 Pfennig) zum 10. Jahrestag des Endes der Bloackade Berlins und der Luftbrücke.

Blockade von Berlin

Die Luftbrücke selbst ist für viele ein sehr abstraktes Geschehen in ferner Vergangenheit. Vor mehr als 60 Jahren, genau am 24. Juni 1948, wurden die Verkehrsverbindungen von den westlichen Besatzungszonen nach West-Berlin durch die sowjetische Besatzungsmacht gesperrt. 2,2 Millionen Menschen waren ohne jegliche Versorgung, ohne Strom.

Bekannt sind sicherlich vielen die Worte Ernst Reuters am 9. September 1948 vor dem Reichstagsgebäude:

… Ihr Völker der Welt,

Ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien!

Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass Ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt! …

 

Währungsreform als Ursache für die Berlin-Blockade

Ursache war die Währungsreform in den Westsektoren – ohne Berlin, die zu einer ebensolchen in der sowjetischen Zone inklusive (!) Berlins führte. Von den westlichen Stadtkommandanten Berlins wurde die neue Währung in Berlin für ungültig erklärt und im Westteil durch eine eigene D-Mark ersetzt.

Die Blockade selbst dauerte bis zum 12. Mai 1949. Sie bedeutete aber, wie man möglicherweise annehmen mag, keine undurchdringliche Mauer, weder in den Ostteil der Stadt, noch ins Umland. In diesem Zeitraum wurde Berlin vollständig aus der Luft versorgt. In fast 278.000 Flügen transportierten Flugzeuge der ehemaligen Kriegsgegner Großbritannien und der Vereinigten Staaten von Amerika mehr als 2,3 Millionen Tonnen Fracht. Ein komplettes Kraftwerk (Reuter) wurde auf dem Luftweg nach Berlin geschafft. In nur drei Monaten Bauzeit errichtete man den Flughafen Tegel, mit der damals längsten Landebahn Europas.

Schwieriger Umgang miteinander

Allzu leicht wird die technische und logistische Leistung in den Vordergrund gestellt. Dabei wird leicht vergessen, dass es in erster Linie um Menschen ging. Ein sog. Verbrüderungsverbot sollte den Umgang des alliierten Militärs mit der deutschen Bevölkerung unterbinden. Der jeweilige Status Kriegsverursacher und Sieger sollte nicht aufgeweicht werden. Amerikanischen Soldaten war es untersagt, sich freundlich gegenüber der deutschen Bevölkerung zu verhalten.

General Eisenhower, 12. September 1944: „Nichtverbrüderung ist die Vermeidung des Zusammentreffens mit Deutschen auf der Grundlage von Freundlichkeit, Vertrautheit oder Intimität – ob individuell oder in Gruppen, im offiziellen und inoffiziellen Umgang. Jedoch verlangt die Nichtverbrüderung kein hartes, unwürdiges oder aggressives Verhalten noch eine anmaßende Überheblichkeit, wie sie die Nazi-Führung auszeichnete.“

Einschneidende Veränderungen brachte die Luftbrücke mit sich. Ehemalige Kriegsgegner setzten ihr Leben aufs Spiel, um das Überleben des eingeschlossenen Berlin zu gewährleisten. Die Rosinenbomber sind ein bis heute im Gedächtnis verhafteter Begriff. Gail Halvorsen, ein amerikanischer Pilot, begann aus eigener Initiative kleine Geschenke an selbst gebastelten Fallschirmen abzuwerfen, andere folgten diesem Beispiel.

Spandau und die Luftbrücke

Was aber hat Spandau mit der Luftbrücke zu tun, werden sich nun die Jüngeren fragen. Nun, der ehemalige Flughafen Gatow, heute ein Museum, war ein wichtiger Teil davon. Bis zu 20 Maschinen sollten im Idealfall pro Stunde dort landen. Selbst auf der Havel landeten Flugzeuge mit Versorgungsgütern. Rund 50 Millionen Liter Benzin, Diesel und Kerosin sollen so nach Gatow gelangt sein. In Tempelhof, dem innerstädtischen Flughafen, erschien das Risiko eines Unfalls viel zu hoch. Über eine unterirdische Leitung flossen die Treibstoffe vom Flugplatz an die Havel, um dort von Tankschiffen nach Berlin transportiert zu werden. (ähnlicher Artikel: Jörg Sonnabend erzählt auf „Unterwegs in Spandau“ seine Kindheitserinnerungen: Luftbrücke – Flugplatz Gatow und die Havel wird zur Landebahn)

Heinz-Gerd Reese gelang es, seinen Vortrag mit vielen Details zu würzen, bei denen immer die Menschen im Vordergrund standen. So bestand nie die „Gefahr“ in ein trockenes historisches Referat „abzugleiten“. Vor allem, war der Vortrag keine Einbahnstraße. Zwei alte Damen aus dem Falkenhagener Feld konnten eigene Gedanken zum Thema beitragen. Sie hatten die Luftbrücke als kleine Kinder erlebt. Fragen der Zuhörer wurden gerne und ausführlich beantwortet.

Das Erzählcafé hat damit einen spannenden Start hingelegt, der neugierig macht auf mehr. Schon jetzt stehen die nächsten Termine und Inhalte fest.

 

Ralf Salecker

 

 

Erzählcafé Jeremia im Foyer – Die nächsten Termine

  • Ev. Jeremia Gemeinde
  • Siegener Straße
  • 13583 Berlin

20. April 18.00 Uhr

  • Spandau und der Mauerbau – Pfarrer i.R. W. Augustat

11. Mai 18.00 Uhr

  • Spandau und der Mauerfall – Bezirksbürgermeister a.D. Werner Salomon

22. Juni 18.00 Uhr

  • Spandau und seine Zukunft – Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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