Tina K., die Schwester von Jonny K.

„Lichter des Respekts“ im Spandauer Koeltzepark

Licht ins Dunkel bringen – der Angst und Gewalt bewusst begegnen

Lichter des Respekts. Tina K., die Schwester des auf dem Berliner Alexanderplatz erschlagenen Jonny K., sprach sich für ein friedliches Miteinander aus. (Foto: Ralf Salecker)
Lichter des Respekts. Tina K., die Schwester des auf dem Berliner Alexanderplatz erschlagenen Jonny K., sprach sich für ein friedliches Miteinander aus. (Foto: Ralf Salecker)

Kunst und Kultur streiten für Respekt und Gewaltfreiheit. Der Koeltzepark in der Spandauer Neustadt ist seit dem 18.1.2013 für einige Wochen (bis zum 15. Februar) ein Ort des Lichts. Im Paul-Schneider-Haus in der Schönwalder Straße nahmen mehr als 150 Besucher an der Eröffnungsveranstaltung teil, darunter Kulturstadtrat Gerhard Hanke, Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, der Stadtrat für Bürgerangelegenheiten Stephan Machulik, Mitglieder der BVV und Vertreter von Vereinen, Initiativen und Schulen. Ein Kunstprojekt als Zeichen für ein friedliches Miteinander.

Immer wieder erschrecken Meldungen in den Medien, wenn über gewalttätige Übergriffe berichtet wird. Bei manchem entsteht so das Gefühl, es wäre besser, manche Orte zu meiden. Anonyme Gewalt in der Dunkelheit verbreitet ein diffuses Angstgefühl.

Galerie der „Lichter des Respekts und der Gewaltfreiheit“

„Lichter des Respekts“, Eröffnungsveranstaltung im Paul-Schneider Haus; Helmut Kleebank, Gerhard Hanke, Mathias Wohlfahrt (Foto: Ralf Salecker)
„Lichter des Respekts“, Eröffnungsveranstaltung im Paul-Schneider Haus; Helmut Kleebank, Gerhard Hanke, Mathias Wohlfahrt (Foto: Ralf Salecker)

In den Räumen des Jugendprojekts aus der Spandauer Neustadt „Stark ohne Gewalt“ und an anderen Orten im Bezirk wurden unter fachkundiger Anleitung der Künstler Sofia Camargo und Thomas E. J. Klasen Lichtobjekte gestaltet. Über 20 Institutionen beteiligten drei Monate lang an der Erstellung der Laternen, die nun den Koeltzepark erleuchten. Entstanden ist so die Galerie der „Lichter des Respekts und der Gewaltfreiheit“. Große und kleine Lichtobjekte, mit und ohne Botschaft leuchten nun von etwa 17:30 bis 7 Uhr in der Frühe.

„ZIEL: Die Lichtergalerie ist ein kreatives Kommunikationsmedium nahezu aller Bewohner, inspiriert durch praktizierte Kunst zur Selbstfindung und kann als leuchtendes Band der Beginn einer neuen Begegnung und Mitgestaltung sein. Viele Menschen – verschiedenste Interessen – ein Zusammenleben!“

Rund 200 Personen haben lange und engagiert an diesem Projekt gearbeitet. Sie alle wollen der Gewalt nicht ausweichen, sondern ein positives Zeichen setzen: Miteinander etwas Positives unternehmen und miteinander friedlich für positive Werte einzustehen. So hat jeder seine persönliche Vorstellung in die Gestaltung der Laternen einfließen lassen. Kleine Botschaften setzen ein Zeichen gegen Gewalt und Intoleranz und für ein respektvolles Miteinander, indem sie einen dunklen angstbesetzten Ort mit Licht erfüllen.

„Licht ist eine Therapie der Farben und Ausdruck von pulsierender Lebensfreude. Auf einleuchtende Art und Weise stimuliert die Lichtergalerie, fördert Eigeninitiative, regt die in einem Jeden lebende schöpferische Kraft an, spiegelt das eigene Ich und vermittelt einen Sinn für das Allgemeinwohl. So wird Verantwortung verstanden und übernommen, für sich, das eigene Werk und für beide als Teil der Gestaltung der Öffentlichkeit. Der Genuss eigene Größe und wahre Individualität erwirkt zu haben, befriedet Frust und Ohnmacht, die optimalste Prävention gegen Vandalismus und Anfeindungen, welche schützend auch die Lichtergalerie umgibt.“

Stark ohne Gewalt e.V.

„Lichter des Respekts“, Eröffnungsveranstaltung im Paul-Schneider Haus, Tanzperformance: Stark ohne Gewalt (Foto: Ralf Salecker)
„Lichter des Respekts“, Eröffnungsveranstaltung im Paul-Schneider Haus, Tanzperformance: Stark ohne Gewalt (Foto: Ralf Salecker)

„Stark ohne Gewalt“ setzt sich seit langem für ein tolerantes und gewaltfreies Miteinander ein. Mit dem Kunstprojekt soll der „dunkle Park“ in der Nähe des Lutherplatzes positiv besetzt werden. Zwar sind im Koeltzepark keine Menschen zu Tode gekommen, doch ist dieser Ort in der Spandauer Neustadt nicht ganz ohne Probleme. Die kreative „Rückeroberung“ von Räumen ist ein Zeichen in Sinne von „wir wollen keine Gewalt in Spandau“. Die weithin sichtbaren Laternen legen beeindruckend Zeugnis dafür ab.

Stark ohne Gewalt e.V.

  • Jagowstraße 19, 13585 Berlin
  • Tel: 36 74 16 32
  • www.stark-ohne-gewalt.com

Angst hilft den Gewalttätigen

Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank erzählte eine kleine Geschichte, die symptomatisch für die Folgen der Angst steht. Eine Frau geht allein nachts durch die Straße und sieht eine Gruppe von Jugendlichen, die ihr wegen ihres Äußeren Angst einflößen. Sie überlegt, ob es besser wäre, die Straßenseite zu wechseln. Sie „überwindet“ sich und geht bewusst weiter ihren Weg. Es stellt sich heraus, es sind ihr Sohn und seine Freunde. Angst ist also auch etwas, was in unserem Kopf entsteht. Gelingt es uns, diesem Gefühl nicht zu erliegen, könnte sich vieles verändern.

Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke hofft, dass die Lichter aus dem Koeltzepark als gutes Beispiel bis nach Berlin hineinwirken.

Tina K. hat die Folgen von sinnloser Gewalt im engsten Umfeld erlebt. Ihr Bruder, Jonny K. wurde auf dem Berliner Alexanderplatz von einer Gruppe von Jugendlichen zu Tode geprügelt. Seitdem setzt sie sich öffentlich für ein friedliches Miteinander ein. Für sie ist das Projekt „Lichter des Respekts und der Gewaltfreiheit“ ein wichtiges Zeichen.

Besuchen sie also den Koeltzepark in der Spandauer Neustadt, zwischen Neuendorfer und Schönwalder Straße. Es sind nur einige wenige Schritte von der Spandauer Altstadt. Die Busse M45 und 136 oder 236 bringen sie direkt dorthin.

Ralf Salecker

Bilder der Galerie der „Lichter des Respekts und der Gewaltfreiheit“

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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