Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - Familie im Zentrum Ost in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)

Nach dem Jubiläum droht den Familienzentrem das Aus

Drei sollen in Spandau geschlossen werden, zwei neue geschaffen

Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - Familie im Zentrum Ost in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)Sonnenblumen-Pflanzaktion im FIZ

Anlässlich des gemeinsam begangenem Jubiläum von FiPP e.V. (Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis) und FIZ (Familie im Zentrum) gab es eine symbolträchtige Sonnenblumen-Pflanzaktion. Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank betonte in seiner Rede die Wichtigkeit dieser Einrichtungen.

Ein kurzer Blick zurück

Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - Familie im Zentrum Ost in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)
Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - "Familie im Zentrum Ost" in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)

FiPP selbst ist seit 1992 als Freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe aktiv. Im Jahr 2004 übernahm FiPP die Kita Fantasia im Falkenhagener Feld in freier Trägerschaft und ein Jahr später den Ganztagesbereich „Die Drachen“ der Siegerland- Grundschule. 2007 wurde dann Familie im Zentrum (FIZ) im Falkenhagener Feld Ost gegründet.

FiPP ist in 9 Berliner Bezirken mit dem Ziel tätig, Kindern und Jugendlichen eine optimale Entwicklung zu ermöglichen. Zentrales Anliegen ist eine Vernetzung von Einrichtungen und die Kooperation der Mitarbeitern. Dies geschieht in Kindertagesstätten, Familienzentren, Jugendfreizeiteinrichtungen und Gemeinwesen orientierten Projekten. Dazu kommt eine intensive Fortbildungs- und Beratungstätigkeit.

Familie im Zentrum

Drei FIZ-Einrichtungen gibt es in Spandau: In der Westerwaldstraße, der Wasserwerkstraße und dem Räcknitzer Steig. „Familie im Zentrum“ ist in den Gebieten Spandaus aktiv, die einen besonderen Entwicklungsbedarf aufweisen. Reguläre Einrichtungen entwickeln sich dabei zu Familienzentren, die sich eng mit anderen Einrichtungen in der Umgebung vernetzen. Generationenübergreifend soll ein lebendiges Miteinander geschaffen werden. Nachbarschaftliches Miteinander, Hilfe zur Selbsthilfe, Beratungsangebote und vor allem eine Atmosphäre des sozialen Miteinanders stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Im Idealfall sind Familienzentren Orte des Wohlfühlens und des sozialen Lernens. Ohne umfangreiche Ehrenamtliche Tätigkeiten von Bewohnern aus der Umgebung wäre dort vieles nicht möglich.

FIZ Westerwaldstraße

Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - Familie im Zentrum Ost in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)
Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - "Familie im Zentrum Ost" in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)

Familie im Zentrum bezog Anfang 2010 den Neubau in der Westerwaldstraße. Das FIZ machte seitdem seinem Namen alle Ehre. Ein umfangreiches Programm vom Frühstück 50 Plus, der Ehrenamtsbörse, einer Familienberatung, dem Familiencafé, der AWO Schuldnerberatung, einer Krabbelgruppe, dem Nachbarschaftsfrühstück, einem Frühstück für Schwangere und Eltern von Kleinstkindern bis zur Freizeit für Väter mit ihren Kindern hat das Haus zu einem Ort des Miteinanders gemacht.

Soziale Kontakte werden gepflegt, Hilfsangebote erfragt oder gegeben. Eine aktive Nachbarschaft, in der viele ehrenamtliche Helferinnen mit ihrem Einsatz die Arbeit erst möglich machen. Die geleistete Arbeit für das Falkenhagener Feld Ost ist nicht mehr wegzudenken!

5 Jahre Familie im Zentrum

Aus der Kita Fantasia entstand 2007 das Modellprojekt Familie im Zentrum. 5 Jahre erfolgreicher Arbeit wurden am 15. Juni gefeiert. Gemeinsam mit allen anderen Spandauer FiPP-Einrichtungen freute man sich über die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre. Auf dieser Jubiläumsfeier zeigte sich eindrücklich die Vielzahl der Beteiligten, die alle das Ziel eint, den Kindern eine vernünftige Entwicklung zu gewährleisten aber auch zentraler Anlaufpunkt für die Familien der Umgebung zu sein. Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank lobte ausdrücklich die wichtige Arbeit vor Ort und versprach, sich für den Erhalt des FIZ über die aktuelle Förderperiode hinaus stark zu machen. Diese soll nämlich 2012 enden.

Nicht ohne Grund wurden im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten mehr als zwei Dutzend Sonnenblumen gepflanzt. Als Symbol für Wachstum und Entwicklung sollten sie den Wunsch nach einer sicheren Zukunft für die Einrichtung dokumentieren. Kinder, Ehrenamtliche, Mitarbeiter, Förderer und selbst Spandaus Bezirksbürgermeister Kleebank sorgten für einen kleinen Wald an Sonnenblumen.

Drei Familienzentren vor dem Aus

Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - Familie im Zentrum Ost in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)
Sonnenblumen-Pflanzfest 2012 - "Familie im Zentrum Ost" in der Westerwaldstraße (Foto: Ralf Salecker)

Ein kleiner Teil der Sonnenblumen, der direkt am Weg, vor der Siegerland-Grundschule gepflanzt wurde, hat nicht lange überlebt. Gleiches scheint nun auch für die drei Spandauer Familienzentren zu gelten. Nicht nur Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Arbeit, wie sie in den FIZ geleistet wird, ist das Ergebnis eines längeren Entwicklungsprozesses. Dieser kann nicht einfach auf Knopfdruck an einem anderen Ort in vergleichbarer Qualität neu gestartet werden, egal, wie engagiert und kompetent die neuen Mitarbeiter dort sein werden. Gewachsene Strukturen von Vertrauen, ehrenamtlicher Tätigkeit und sozialem Miteinander sind in Gefahr. Das ohnehin ramponierte Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik und ihre vollmundigen Zusagen dürfte noch weiter leiden.

Im letzten Spandauer Wahlkampf wünschte sich die SPD unter dem Titel: SPANDAUprogramm – Kinder- und Jugendhilfe in der Sozialen Stadt

Kitas und Grundschulen sollen zu Zentren für Familien und als Knotenpunkt für Vernetzung und Kooperation im Stadtteil entwickelt werden. Erziehungs-, Schuldner-, Gesundheits- und Sozialberatung sollen neben Freizeit- oder Begegnungsmöglichkeiten unter einem Dach angeboten werden. Spandau hat in den letzten Jahren bereits drei Familienzentren als Modellprojekt errichten können. Wir fordern eine Regelfinanzierung dieser Familienzentren. 

 

Dieser Wunsch scheint sich nicht verwirklichen zu lassen. Die Fördermittel für die drei Familienzentren laufen Ende 2012 aus. Dabei hieß es einst, dass die Familienzentren mit einer Regelfinanzierung aus dem Landesprogramm „Aufbau der Berliner Familienzentren“ ab 2013 rechnen könne. Der Bezirk verfügt über kein Geld, um die Finanzierung selbst zu stemmen. Das bedeutet das Ende für alle drei Spandauer Einrichtungen, wenn nicht doch noch Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

Nach einem ausgesprochenen Schildbürgerstreich hört es sich an, dass der Senat gleichzeitig zwei neue Einrichtungen im Bezirk schaffen will. Bei der Entscheidungsfindung scheint nicht viel Vernunft im Spiel gewesen zu sein: Drei „zerstören“ und zwei neu aufbauen? Wo liegt hier der Sinn? Im September sollen die neuen Angebote ihre Arbeit aufnehmen. Deren Finanzierung ist gesichert. An dieser Stelle darf die Frage erlaubt sein, bis wann? Werden auch diese wieder, wenn sie erfolgreich arbeiten, beendet?

Der Berliner Senat stellt dem Bezirk Spandau im Rahmen des Landesprogramms „Aufbau der Berliner Familienzentren“ für das laufende und das kommende Haushaltsjahr Mittel für den Betrieb von zwei neuen zusätzlichen Familienzentren zur Verfügung.

Mit Hilfe eines Interessenbekundungsverfahrens sollen potentielle Träger für die beiden neuen Angebote gefunden werden. Bis Ende Juli können sich diese beim Bezirksamt Spandau melden. Die Bewerbung ist bis zum 31.7.2012, 12.00 Uhr, schriftlich oder per E-Mail an den zuständigen Mitarbeiter Herrn Scherer zu richten: georg.scherer@ba-spandau.berlin.de.

Das PDF-Dokument mit den Anforderungen an die Träger für Aufbau und Betriebs zweier Familienzentren in Spandau kann hier heruntergeladen werden.

Ralf Salecker

 

 

Offener Brief an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst haben wir die Mitteilung über die Umsetzung des Programms „Aufbau der Berliner Familienzentren“ mit großer Freude aufgenommen, da wir als Familienzentren in Spandau davon ausgingen, nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit eine Regelfinanzierung zu erhalten.

Nun stellte sich heraus, dass die bewilligten Mittel der Senatsverwaltung ausschließlich für die Einrichtung neuer Standorte verwendet werden sollen. Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar und auch nicht hinnehmbar.

Wir haben drei Jahre im Rahmen eines evaluierten Modellprojektes „Familie im Zentrum“ (FiZ) ein stabiles Netzwerk mit gut besuchten Angeboten und zahlreichen Ehrenamtlichen in drei Quartiersgebieten in Spandau aufgebaut. Die Modellstandorte wurden vom Bezirk sorgfältig ausgewählt. Sie erfüllen alle Kritieren, die das Landesprogramm an Familienzentren stellt und haben sich in der Praxis auch als besonders geeignet herausgestellt.

Das Modellprojekt wurde 2008 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt aus der Taufe gehoben und finanziert. Die Projektentwicklung verlief in enger Abstimmung mit dem Bezirk und auch in Absprache mit der Verwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Die Umsetzung der Projekte war mit beträchtlichen Eigenleistungen der beteiligten freien Träger verbunden. All dies geschah im Hinblick auf ein Landesprogramm für die Förderung von Familienzentren, das zu diesem Zeitpunkt schon am Horizont auftauchte.

Die Ergebnisse des erfolgreichen Modellprojektes wurden der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft auf unserer Abschlussveranstaltung am 25.11.2010 präsentiert. Auf dieser Veranstaltung hat uns die zuständige Staatssekretärin eine Aufnahme in das künftige Landesprogramm zugesagt.

Im Rahmen einer Übergangsfinanzierung – wiederum geleistet durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, mit stark gekürzten Personal- und Sachkosten sowie nochmals dem erheblichen Einsatz von Eigenmitteln durch die Träger – ist es uns nach Auslauf der Modellphase in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Angebote aufrecht zu erhalten, weiter zu entwickeln und sogar auszubauen. Das war möglich, weil sich an den drei FiZ-Standorten ein stabiler Stamm von Ehrenamtlichen gebildet hat, die mit großem Engagement Angebote für die im Quartier lebenden Familien machen. Sie könnten ohne die hauptamtliche Fachkraft in jeder Einrichtung allerdings nicht  arbeiten.

Da diese Finanzierung am Ende des Jahres 2012 ausläuft, werden die Angebote und das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen ersatzlos wegfallen. Unserer Einschätzung nach erfüllen wir ab 2013 damit das Kriterium der Zusätzlichkeit, denn im Bezirk stehen keinerlei Mittel für eine Weiterfinanzierung zur Verfügung (vgl. Pressebeitrag im Spandauer Volksblatt vom 11. Juli 2012). Aber gerade in diesen Gebieten ist ein niedrigschwelliges, von den Familien akzeptiertes und mitgestaltetes Begegnungszentrum wichtig und notwendig!

Das Vorgehen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft ist für uns völlig unverständlich. Ein Wegbruch der schon mit dem Bezirk und dem Land abgestimmten Standorte ist unverantwortlich und widerspricht dem Geist des gerade neu aufgelegten Landesprogramms, das eine neue Qualität in die Entwicklung der Familienzentren in Berlin bringen will. Ein neuer Träger fängt wieder bei Null an und die bisherigen Ehrenamtlichen werden sich enttäuscht zurück ziehen. Aus unserer Erfahrung ist der Erfolg eines Familienzentrums abhängig von seiner Kontinuität und Verlässlichkeit.

Daher bitten wir Sie, die Aufnahme der drei bestehenden Familienzentren

  • FiZ Heerstraße an der Christian-Morgenstern-Grundschule
  • FiZ Ost an der Kita Fantasia
  • FiZ West an der Kita des Humanistischen Verbandes

in das Landesprogramm zu unterstützen. Wir halten dies aufgrund der Vorgeschichte des Modellprojektes für gerechtfertigt und würden uns sehr über die Gelegenheit freuen, mit Ihnen über unsere Arbeit und unsere Sorgen ins Gespräch zu kommen.

Doreen Sieg
Geschäftsführerin FiPP e.V.
Familie im Zentrum Falkenhagener Feld Ost an der Kita Fantasia

im Namen auch der anderen Träger

  • Evangelisches Johannesstift Jugendhilfe gGmbH Familie im Zentrum Heerstraße an der Christian-Morgenstern-Grundschule
  • Humanistischer Verband
  • Familie im Zentrum Falkenhagener Feld West an der Kita Wasserwerkstraße

 

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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