Sacrow – Schloss, Park und Heilandskirche

Nur ein Katzensprung hinter der Grenze zu Potsdam

Sacrow in einem Spandauer Kalender? Erstaunt wird mancher Leser die Augenbrauen heben – seit wann liegt Sacrow in Spandau? Tut es natürlich nicht! Nun, der Kalender soll auch Sehenswertes zeigen, was direkt vor unserer Haustür liegt.
Vom Hafen in Kladow aus benötigt man für die fast 6 Kilometer mit dem Drahtesel gerade einmal gemütliche 20 Minuten, um nach Sacrow zu gelangen, zu Fuß rund eine Stunde.

Es gibt darüber hinaus sogar historische Bezüge zu Spandau. 1434 verlieh Markgraf Johann den beiden Spandauern Peter Hansen und Jürgen Hallenbrecht das Gut Sacrow. 1536 wurde Spandaus Bürgermeister Georg Warttenbergk mit dem Dorf Sacrow belehnt. Das waren noch Zeiten, als es sich lohnte, Bürgermeister zu sein. Irgendwann, zwischen 1650 und 1720 stellte der Kurfürst das Dorf Sacrow dem großen Arbeitshaus (Gefängnis) in Spandau zur Verfügung. 1764 kam Sacrow in den Besitz des späteren Gouverneurs der Zitadelle, Graf Johann Ludewig von Hordt.
Immer wieder erfreuten sich Besitzer an diesem schönen Objekt, doch es gab auch andere. Theodor Fontane berichtet in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg vom Fahrländer Pastor Johann Andres Moritz, der nicht gerade glücklich war über seinen Dienst am Ort.

(Sacrow von 1787 bis 1794)

„Meine Pfarre ist eine beschwerliche Pfarre. Sacrow (nur Filial) liegt eine Meile ab, auf einer Straße, die niemand bereiset als ich, was denn beim Schnee desto beschwerlicher fällt, noch dazu, da es durch die Haide geht, wo der Wind oft sehr zusammen deilt. Es ist in allem Betracht ein verdrießlich Filial, und doch muß ich es alle vierzehn Tage bereisen. Gott! Du weißt es, wie ich dann den ganzen Tag über vom Morgen bis Abend fahren und reden muß, wie sauer es mir jetzt wird in der Hitze des Sommers, in der Kälte des Winters. Aber Du weißt es auch Gott, wie treu ich darin gewesen bin, auch für Sacrow, das mein Vorgänger nur sah, wenn die Herrschaften da waren. Und doch achten sie mich gering und versagen mir das Kleinste. Werd‘ ich eine Wandlung erleben? Nein.“

Solch jammernde Worte sind heute schwer zu verstehen. Wer heute durch den Park flaniert, vor der Heilandskirche verweilt und den Blick über die Havel schweifen lässt, dem liegen solch düstere Worte fern – viel eher stellen sich Gedanken an Italien ein.

Noch bis vor kurzem war der Anblick von Park und Kirche wahrhaftig ein Jammertal. Zu DDR-Zeiten lag die Kirche im Sperrgebiet. Das Innere wurde von Grenzsoldaten zerstört, ebenso ein Teil des Parks. Der Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Westberlin, Richard von Weizsäcker, war es zu verdanken, dass die Fassade wiederhergestellt wurde.

Nun strahlen Park und Kirche in restaurierter Pracht, auch wenn das Schloss zurzeit nicht betreten werden kann.
Die Kirche basiert auf Skizzen von Friedrich Wilhelm IV., die vom Hofarchitekten Ludwig Persius umgesetzt wurden. Nach einer romantischen Vorstellung Friedrich Wilhelms erschien ihm der Zusammenhalt der frühen Christen so bemerkenswert, dass er ein Bauwerk im Stile römischer Bauten errichten wollte.

Symbolhaft sind auch Form und Lage der Kirche. Vom Wasser aus gesehen erweckt sie den Eindruck eines Schiffes. „Das Schiff“ hätte sie nach dem Willen des Architekten heißen sollen. „Heilandskirche am Port von Sacrow“ ist eine nicht sehr genaue Übersetzung des Siegeltextes der Kirche.

Die Bucht, in der sie steht, wurde früher von Fischern als kleiner Hafen zum Schutz vor dem Sturm genutzt.
Ähnlich wie die Zitadelle Spandau wurde das Fundament auf Pfählen errichtet. So konnte das Gebäude in die Bucht hinein gebaut werden. Zwei Drittel der Kosten von 60 000 Talern wurden davon verschlungen.
Neben der Kirche steht der Glockenturm. Seine Glocke ist rund 600 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der alten Dorfkirche von Sacrow.

Ein großer Gartenkünstler, Peter Joseph Lenné, gestaltete 1842 den 26?ha großen Park. Breite Spazierwege und weite Sichtachsen bestimmen sein Erscheinungsbild, eingepasst in die Havellandschaft, ähnlich wie in den anderen Gartenanlagen rund um Potsdam.

Ralf Salecker

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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