Postruine in Spandau an der Klosterstraße

Die Postruine kommt weg! Nicht gleich, aber wahrscheinlich bald!

Spandaus Schandfleck könnte in Teilschritten verschwinden

Postruine in Spandau an der Klosterstraße
Postruine in Spandau an der Klosterstraße (Foto: Ralf Salecker)
Postruine in Spandau an der Klosterstraße
Postruine in Spandau an der Klosterstraße (Foto: Ralf Salecker)

Von allen gehasst, steht seit vielen Jahren die Ruine des großen Postgebäudes an der Klosterstraße und gammelt vor sich hin. FAY Projects aus Mannheim und merz objektbau aus Aalen haben in Spandau das Gelände des ehemaligen Postgebäudes an der Klosterstraße/Ecke Ruhlebener Straße zwischen Bahnhof, Spandau-Arkaden und Havel erworben.

Ein Mix aus Wohnen, Kaufen und Freizeit ist auf den 14.000 Quadratmetern geplant. Zwischen 48.000 und 68.000 m² umbauter Raum sollen auf der Fläche entstehen. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Baustadtrat Carsten Röding aber auch Bundestagsabgeordnete aus Spandau, wie z.B. Kai Wegner begrüßen diesen Schritt, der erstmals eine realistische Veränderung vor Ort verspricht. Denn endlich scheint es ein Investor zu sein, der das Gelände wirklich entwickeln will. An anderen Orten in Deutschland und Berlin hat er schon bewiesen, dass er dazu in der Lage ist.

Seit die Post ihr Hauptpostamt in Spandau an der Klosterstraße 1995 – nach gerade einmal 15jähriger Nutzung – geschlossen hatte und später eine kleinere Filiale mit reduziertem Service in den Spandau-Arcaden öffnete, verkam das Objekt zusehends. Umgerechnet 10,5 Millionen Euro hatte der Bau damals gekostet. Er ersetzte das ehemalige Hauptpostamt in der Carl-Schurz-Straße.

Postruine in Spandau an der Klosterstraße
Postruine in Spandau an der Klosterstraße (Foto: Ralf Salecker)
Postruine in Spandau an der Klosterstraße
Postruine in Spandau an der Klosterstraße (Foto: Ralf Salecker)

Zersplittert, vermüllt, verdreckt und verlassen, so beginnt ein aktueller Abendschaubetrag zum Verkauf. 20 Jahre Leerstand in bester Lage. Mehrere Male wechselte das Grundstück in der Folge seinen Besitzer. Diese versprachen manchmal das Blaue vom Himmel herunter. Schneller Abriss des Gebäudes und zukunftsweisende Investitionen. Investoren wollten das das Grundstück entweder zu Fantasiepreisen verkaufen, oder hatten eher bombastische Träume, als realistische Pläne. Von der noblen Marina, dem Spaßbad, bis zu kleinen Wolkenkratzern war alles vertreten. Die Altstadt und die Arcaden wollten kein weiteres Einkaufszentrum, befürchteten sie doch Konkurrenz auf einem immer schwieriger werdenden Markt. Einkaufscenter sind schon länger keine Selbstläufer mehr.

Alle Versuche, auf Bezirksebene und darüber hinaus, Einfluss zu nehmen, scheiterten. Da mag die Sozialpflicht des Eigentums noch so sehr im Grundgesetzt verankert sein, im Zweifel wiegt das private Eigentum mit seinen Rechten offensichtlich schwerer.

Eine weitere Hoffnung, die Einbeziehung des Geländes in das Sanierungsgebiet Wilhelmstadt brachte keinen Erfolg. Man wollte auf diesem Weg den Eigentümer zwingen, die Gebäude abzureißen. Berlin winkte ab, weil das Gelände zu groß wäre, um solch eine Entscheidung zu treffen.

Noch ein langer Weg bis zu einer Bebauung des Geländes

Bis zu einem neuen lebendigen Stadtquartier vor Ort ist es noch ein langer Weg. Ein wenig Vorfreude darf man aber schon hegen. Allein das Verfahren für einen Bebauungsplan soll etwa 2 Jahre in Anspruch nehmen. Bis Ende 2018 soll er fertig sein. Die Investoren wollen Gutachten in Auftrag geben, die mögliche Probleme im Vorfeld feststellen sollen. 2020 oder 2021 soll das neue Quartier fertiggestellt sein.

Ein Komplettabriss aller Gebäude auf dem Gelände könnte schwierig werden, verlaufen doch über den fast unscheinbaren Würfel gleich neben dem Bahndamm unzählige Spandauer Telefonverbindungen.

Baustadtrat Carsten Röding bevorzugt in jedem Fall eine standortverträgliche Planung. Weder soll das neue Gebäude alles in der Umgebung überragen, noch eine Konkurrenz für die bestehenden Einkaufsmöglichkeiten in der Altstadt und den Arcaden schaffen. Das bestehende Einzelhandelskonzept des Bezirks soll in jedem Fall berücksichtigt werden. Wie diese Ergänzung zu den bestehenden Strukturen im Bezirk aussehen soll, steht noch in den Sternen. Ein gesunder Mix aus Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten (Hotel, Ferienwohnungen) wird angestrebt, als Ergänzung des bestehende das Angebotes von „Spandau Arcaden“ und Spandauer Altstadt.  Direkt an der Havel soll ein öffentlich zugänglichen Platz entstehen. Rund 100 Millionen Euro wollen FAY Projects und merz objektbau  hier investieren. Spandau als Einkaufsziel und -standort soll gestärkt werden.

Eines soll noch in diesem Jahr geschehen. Carsten Röding will noch in seiner bestehenden Amtszeit einen Teilabriss der Ruine auf den Weg bringen. Mit Glück könnte dann in fünf Jahren ein neues Quartier an dieser exponierten Stelle in Spandau entstehen.

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist