Thomas Nast's Zeichnung,

Rente für den Weihnachtmann?

Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind, Knecht Ruprecht und wie er sonst noch genannt wird …

Thomas Nast's Zeichnung, "Merry Old Santa Claus",aus der Januarausgabe 1/1881 von Harper's Weekly
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Thomas Nast’s Zeichnung, „Merry Old Santa Claus“,aus der Januarausgabe 1/1881 von Harper’s Weekly

Bestürzt mussten wir in den letzten Tagen erfahren, dass der Weihnachtsmann in eben diesem Jahr seinen 84. Geburtstag feiern sollte. Selbst wenn wir alle Arbeitszeit-Reformen, die geplant sind, vorweg nehmen, müssten wir ihn wohl oder übel sofort in seine verdiente Rente schicken.

Es kommt aber noch viel schlimmer. Angeblich ist dieser Herr die schnöde Erfindung eines Konzerns, der auch heute noch mit seinem braunen sprudelnden Wasser von sich Reden macht. 1931 soll der Zeichner Haddon Sundblom im Auftrag von CocaCola die auch heute noch bekannte Zeichnung des rotgewandeten weißbärtigen alten Mannes zu Papier gebracht haben.

Das ist doch bestimmt gelogen… Den Weihnachtsmann gibt´s wirklich…

Thomas Nast „erfand“ den Weihnachtsmann

Glücklicherweise ist all dies nicht wahr. Wahrscheinlich ist es ein nach Nordamerika ausgewanderter Bayer Namens Thomas Nast gewesen, der für das heutige Erscheinungsbild von Santa Claus verantwortlich ist. Er gilt als der Ur-Vater der amerikanischen Karikatur. 1862 (oder 1863) zeichnete er für die Zeitschrift Harper´s eine Figur, die heutzutage wohl eher Kopfschütteln hervorrufen würde.

Noch tobte der amerikanische Bürgerkrieg. So verwundert es nicht, die Gaben bringende Gestalt als Truppenbetreuer, gekleidet in eine Jacke mit den Sternen des Sternenbanners und eine passend gestreifte Hose zu sehen. Erst in den späteren Jahren formte er die Augen zwinkernde und Pfeife rauchende, gemütliche dicke Gestalt, so wie wir sie heute kennen. Vorbild war ihm die Nikolausgestalt seiner Heimat, der Belzenickel, oder auch Pelznickel. Eine Kurzform für die Pelz tragende Gestalt des Nikolaus.

Der Nikolaus wiederum geht zurück auf die Gestalt eines Bischofs der antiken türkischen Stadt  Myra. Er galt als besonders freigiebig. Naturgemäß trägt er also in katholischen Gegenden auch eher einen Bischofs gemäßen Mantel. In protestantischen oder weniger religös gefärbten Gefilden ist diese Herkunft und damit die Kleidung nicht mehr von besonderer Bedeutung.

Thomas Nast verbindet in seinen Zeichnungen deutsche und holländische (die Namensabwandlung von Sinte Klaas zu Santa Claus) Wurzeln zu einer gerade in schlechten Zeiten herbeigewünschten Gestalt, die Gutes bringt. Selbst der Wohnsitz von Santa Claus, nämlich der Nordpol, findet sich auf einer 1865 geschaffenen Zeichnung von Nast.
Gehen wir noch ein paar Jahrzehnte zurück finden wir eine weitere Wurzel, die zur verwirrenden Vermischung von Nikolaus und Weihnachtsmann beigetragen hat. Clement Clarke Moore schrieb für seine Kinder ein Weihnachtsgedicht. In diesem beschrieb er 1822 den Nikolaus, der mit einem Schlitten, bespannt mit acht Rentieren (Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder, Blitzen) auf dem Dach landet und des nächtens durch den Kamin herabsteigt um die Strümpfe zu füllen.

Andere Quellen sagen, der wahre Urheber dieses Gedichts „A Visit From St. Nicholas“ wäre ein Major Henry Livingston. Erich Kästner übersetzte später selbiges Gedicht und gab ihm den Titel „Als der Nikolaus kam“. Um die Verwirrung zu komplettieren, wird selbst der Major nicht als der wahre Urheber angesehen. Eine Satire von Washington Irving, die 1809 unter dem Namen „Knickerbocker History“ sowie ein Gedicht von 1821 „The Children´s Friend“ sollen die Beschreibung schon vorweg genommen haben. Aus Anfangs einem, wurden später dann acht Rentiere.
Dem aufmerksamen Leser wird sicherlich nicht entgangen sein, dass in der Aufzählung ein Name fehlt. Rudolph, das Rentier mit der roten Nase. 1939 schrieb Rudolph Robert L. May mit „Rudolph the red-nosed Reindeer“ eine Geschichte, die schnell ihren Siegeszug um die Welt antrat. Beflügelt wurde der Erfolg durch ein gleichnamiges Weihnachtslied mit dem Text von Johnny Marks und der Musik von Gene Autry.

1845 erblickte die erste Ausgabe von Heinrich Hoffmanns Struwelpeter die Welt. Hier taucht der Weihnachtsman sogar als strafende Figur auf.

Wie kommt´s nun, dass wir eigentlich den Nikolaus meinen und den Weihnachtsmann nennen?

Papst Paul der VI. war es, der 1969 den Gedenktag des heiligen Nikolaus von Myra aus dem römischen Generalkalender strich. Die reale Gestalt des Bischofs ist sowohl in der Oströmischen wie auch in der Weströmischen Kirche belegt. Über die wahren Geburtsdaten streiten sich die Gelehrten. Hinzu kommt, dass es noch einen anderen Nikolaus, nämlich Sion, Bischof von Pinora gegeben hat.

Noch etwas älter ist eine Legende, die Nikolaus wunderwirkend im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra (heute Demre im türkischen Südanatolien) beschreibt. In der griechisch-orthodoxen Kirche wird er aus diesem Grund gar den Aposteln gleichgestellt. Ein bulgarisches Sprichwort bringt seine Bedeutung dann auf den Punkt. „Wenn Gott stirbt, dann wählen wir den heiligen Nikolaus zu seinem Nachfolger“.
Nachdem die byzantinische Prinzessin Theophanu Ende des 10. Jahrhunderts Kaiser Otto II. ehelichte, wurde Nikolaus zum ottonischen Haus- und Hofheiligen. Im Laufe der Jahrhunderte verselbständigte sich der Gedanke an einen heimlich Geschenke bringenden Mann immer weiter.
Am 8. Mai 1087 brachten ein paar italienische „Händler“ die sterblichen Überreste des Heiligen in die italienische Stadt Barese. Auch wenn es offiziell um die Rettung der Gebeine vor den muslimischen Eroberern in Kleinasien ging, ist die These, es ging eher um ein paar prestigeträchtige Reliquien, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die in einer Nacht- und Nebel-Aktion gestohlenen Gebeine ruhen auf Geheiß des Papstes seit 1506 in der St.-Michael-Kapelle der Kathedrale St. Nikolaus im schweizerischen Freiburg. Im Jahr 2013 verlangte ein türkischer Archäologe sogar die Rückgabe der gestohlenen Gebeine des Bischofs von Myra an die Türkei. Da wurde der Nikolaus plötzlich zum politischen Zankapfel. Die Kathedrale möchte die gebeine um keinen Preis wieder hergeben.

Die Reformation durch Luther brachte es mit sich, dass es nun keine Heiligenverehrung mehr gab. Das Fest, bei dem Kinder beschenkt wurden, war aber inzwischen normales Brauchtum und damit nicht so einfach zu unterbinden. Kurzentschlossen erfand er das Christkind, welches an dessen Stelle trat. Einzig die Holländer blieben dem Nikolaus bis heute treu. Dies galt bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts auch für katholische Gegenden. Dann begann eine Vermischung der Traditionen.

Im Zuge der Gegenreformation wurde aus der mittelalterlichen Verehrung eines Heiligen der Besuch durch den Nikolaus Daheim, dem man noch einen Begleiter an die Seite stellte – Knecht Ruprecht trug die Last und war für die Bestrafung mit der Rute zuständig.

Der heutige Weihnachtsmann ist all dies in einer Person. Eine Folge der Globalisierung und/oder Gleichmacherei.

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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