Björn Stysch mag es, seine Sichtweise kundzutun

Teil 4 der Serie: „Wir fotografieren in Spandau“

Eine kurze persönliche Vorstellung. Wer/was bin ich?

Selbstportrait (Foto: Björn Stysch)
Selbstportrait (Foto: Björn Stysch)

Björn Stysch – Fotograf aus Leidenschaft, waschechter Spandauer, 46 Jahre, verheirateter Vater einer 2 jährigen Tochter, quereingestiegener Berufsfotograf seit 2009, Autodidakt, Fotoworkshopleiter

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen? Wann haben Sie Ihr erstes Foto gemacht?

Meine erste eigene Kamera bekam ich mit 12, eine Ritsch-Ratsch-Klick mit eingebautem Blitz, zum Abitur gab es dann eine Yashica mit Zeissobjekiv, für eine Interrailtour bis Marrakesch nutzte ich die Kleinbild-Voigtländer mit manuellen Einstellungen meines Vaters. Dann folgten Jahre der Reise- und Naturfotografie ohne Absicht daraus jemals einen Beruf zu machen.

Mit Beginn des digitalen Zeitalters der Fotografie wurde es auf einmal spannend, Bildbearbeitung eröffnete ungeahnte Möglichkeiten. Und als Trainer in der Erwachsenenbildung, gerade in den Clubs Aldiana zu Internetschulungen unterwegs, gab ich auch die ersten Fotoworkshops und Schulungen mit PaintShop. Es folgten Mitarbeiter- und Eventfotos für meine damaligen Arbeitsumfelder, bis ich diese verließ und mich als Fotograf selbständig machte.

Warum fotografieren Sie?

Pirat (Foto: Björn Stysch)
Pirat (Foto: Björn Stysch)

Die Leidenschaft ist im Beruf geblieben, meine Sichtweise kundzutun macht mir Freude, dass häufig unmittelbare Feedback tut gut. Mich reizt es Dinge perspektivisch eigenständig zu sehen und Menschen so ins Licht zu rücken, dass sie positiv wahrgenommen werden. Mit „ich bin nicht fotogen“ beginnt der Spaß…

Wo liegen Ihre fotografischen Schwerpunkte? Was fotografieren Sie besonders gerne?

Der Schwerpunkt liegt in der Menschenfotografie – vom Porträt bis Event. Von Schwangerschaftsbauch- über Neugeboren- und Baby- wie Kinderfotografie zu Familienporträts, Bewerbungs- und Geschäftsporträts über Hochzeiten zu runden Geburtstagen und Taufen, Konfirmationen und Mensch mit Tier-Porträts.

Ein besonderer Service ist mein mobiles Passfotostudio für die nicht mehr mobile Gesellschaft – wir haben über 100.000 Pflegefälle allein in Berlin. Generell arbeite ich rein mobil – on location oder mit mobilem Studio. Gerne erstelle ich auch Werbefotografie von der Ferienwohnung, Eckkneipe, dem Caterer oder die Produkte für den Onlineshop. Und das auch für große Firmen.

Haben Sie Ihre Bilder schon einmal der Öffentlichkeit präsentiert?

Als Ausstellung nicht, im Familienzentrum Villa Nova hängen mehrere Kinderfotos die ich aufgenommen habe.

Wo sind Ihre Fotografien online zu finden?

www.Fotograf-aus-Leidenschaft.de

Was ist für Sie eher schwierig zu fotografieren?

Dinge oder Situationen den ich nichts abgewinnen kann z.B. Fetisch – dass lasse ich sein.

Gibt es Orte, Objekte oder Personen die Sie unbedingt fotografieren möchten?

In der Naturfotografie habe ich eine Vorliebe für Wasservögel und freue mich immer wenn ich eine Art vor die Linse bekomme die ich bisweilen noch nicht gut ablichten konnte. Ansonsten folge ich eher dem Ansatz in bekanntem Neues zu entdecken.

Fotografieren Sie eher alleine oder gemeinsam mit anderen?

Hochzeit (Foto: Björn Stysch)
Hochzeit (Foto: Björn Stysch)

Bin der Alleinschaffende – bei Hochzeiten bitte ich regelmäßig das Brautpaar mir eine Assistentin bereit zustellen – welche am Kleid zuppeln darf und den korrekten Sitz der Krawatte mit im Blick hat, selten um einen Reflektor zu halten. Dafür und für Blitzgeräte gibt es Stative. Bei meinen Fotoworkshops begleite ich das Fotografieren der Teilnehmer und fotografiere nicht selbst, die Kamera bleibt dann zuhause.

Haben Sie schon einen eigenen Stil gefunden? Wie ließe sich dieser beschreiben?

Ich reduziere gerne meine Fotos auf das wesentliche, beschneide oft eng. Ich mag es natürlich – und habe auch meine Freude daran die Fotos in unterschiedlichsten Stilen zu bearbeiten – bis zu fotobasierten Zeichnungen.

Welche Fähigkeit ist beim Fotografieren am meisten gefragt?

Das Bild entsteht erst im Kopf dann in der Kamera. Eine gute Vorahnung was im nächsten Moment geschehen wird hilft mir sehr meine Bildideen umzusetzen. Ich inszeniere selten.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach ein besonderes Bild aus?

Ein besonderes Bild geht über die persönliche Beziehung zum abgebildeten Objekt – ob Mensch oder anderes Motiv hinaus. Es überträgt eine Stimmung, erzählt eine Geschichte und ist fast nebenbei grafisch ansprechend.

Wie wichtig ist Ihnen die Meinung anderer, bezüglich der eigenen Bilder?

Denkmal (Foto: Björn Stysch)
Denkmal (Foto: Björn Stysch)

Als Berufsfotograf ist die Kundenmeinung entscheidend –  insbesondere für Empfehlungen die einen wesentlichen Teil  meiner Kundschaft ausmacht. Für das Künstlerische finde ich Fotoclubs interessant – dort wird respektvoll konstruktiv das Werk betrachtet.

Gibt es ein fotografisches Vorbild?

Eins? – Nein, es gibt erfreulich viele gute Fotografinnen und Fotografen. Ich lasse mich gerne von anderen inspirieren ohne sie kopieren zu wollen.

Fotografieren Sie digital oder analog? Wann sind sie „ins digitale“ gewechselt?

Rein digital seit 2004

Spielt der Zufall beim Fotografieren eine besondere Rolle oder ist alles geplant?

Ungeplantes ist höchst Willkommen bei einer gut vorbereiteten Fotosession – gewissermaßen der Glücksmoment, wenn die Sonne durch die Wolken bricht.

Spielt die digitale Bildbearbeitung eine Rolle? Wenn ja welche?

Ja, zwei wesentliche: zunächst zur „Entwicklung“ um die Fotorealität zu sichern und zweitens um daraus stimmige Fotostrecken in einem Stil zu machen, auch wenn die Umgebungsbedingungen sehr Variantenreich waren.

Womit fotografieren Sie? Ist die Ausrüstung von Bedeutung?

Der Verwendungszweck entscheidet über die notwendige Ausrüstung. Entsprechend wähle ich diese. Ich nutze Nikon-Kameras – und komme auch mit wenig Licht ohne Blitzgeräte gut zurecht. Habe Blitzgeräte diverse im mobilen Studio auch im Einsatz, ebenso Dauerlicht.

Nicht alles klappt immer perfekt? Was war die lustigste oder ärgerlichste Panne beim Fotografieren?

Lustig finde ich den kreativen Umgang der Kinder mit meinem Equipment: Ein Mädchen wickelte sich in den Hintergrundstoff ein und schöne Bilder entstanden.

Ärgerlich weil nur aufwändig zu beheben war, nicht rechtzeitig bemerkt zu haben dass an einem Objektiv der Autofokus dejustiert war. Auf dem kleinen Kameradisplay sieht eh alles fast immer scharf aus – aber das eine Brautpaarfoto mit diesem Objektiv war es nicht. War viel Arbeit in Photoshop es so hinzubekommen, dass es heute in 60x40cm an der Wand des Brautpaars hängt.

Welcher Ort in Spandau ist ein besonders dankbares Fotomotiv, den auch Spandau-Besucher unbedingt aufsuchen sollten?

Ich führe meine Fotoworkshopteilnehmer regelmäßig zu dem Denkmal an das Jüdische Leben in Spandau am Lindenufer. Der geteilte Gedenkstein und die geschwungene beschriftete Mauer sind nicht unbedingt einfach – umso mehr reizvoll in Szene zu setzen. Mich freut es jedes Mal die unterschiedlichen gelungenen Perspektiven der Teilnehmer zu betrachten.

Anmerkung:

Unabhängig von Internet-Plattformen, die als eher flüchtiges Podium dienen, geht es mir (Ralf Salecker) hier ausschließlich um in Spandau lebende oder fotografierende Menschen. Mit diesen Portraits möchte ich einfach eine weitere Facette Spandauer Vielfalt zeigen und eine Möglichkeit bieten, sich im Bezirk zu vernetzen. Möglicherweise entwickeln sich daraus auch gemeinsame Foto-Touren oder Foto-Stammtische. Da ich nicht jeden persönlich kennen kann, wähle ich bewusst das formale „Sie“ in der Ansprache.

Jeder, der sich an dieser Portraitserie beteiligen möchte, kann mir gerne eine E-Mail senden. Dann kommt umgehend der Fragenkatalog, der bei jedem gleich ist. Wie und wie lang jeder antwortet, bleibt selbstverständlich jedem selbst überlassen.

Ganz besonders würde ich mich freuen, wenn uch ein paar fotografierende Frauen sich beteiligen würden. Fotografie ist doch keine Männerdomäne…

Ralf Salecker

;-)

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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