Spandauer fordern: Das Schwimmbad in Kladow muss schnell wieder öffnen

Der Wunsch, oder die Forderung nach einer schnellen Öffnung des Schwimmbades in Kladow scheint nicht erfüllbar. Die Bundeswehr wird gerade einem schmerzhaften Sparkurs unterzogen. Spandau bleibt davon nicht verschont. In der General-Steinhoff-Kaserne kann seit Jahresanfang nicht mehr geschwommen werden. Jahrelang haben Sportgruppen und Kita-Kinder die Schwimmöglichkeiten in der Bundeswehrhalle genutzt. Damit ist nun Schluss, obwohl die Anlage technisch bestens in Schuss ist und sofort wieder einsetzbar wäre.

Schon im letzten Jahr wurden die Öffnungszeiten der Schwimmhalle immer stärker eingeschränkt. Als die endgültige Schließung zum Jahreswechsel ins Haus stand, begannen Carsten Röding(Stadtrat der Abteilung Bauen, Planen und Umweltschutz) und Kai Wegner (MdB) sich für den Erhalt der Halle einzusetzen.

Würde es nun um die Bequemlichkeit der Nutzer gehen, könnte man ja sagen, dann geht einfach ins Kombibad Süd an der Gatower Straße. Mit dem Bus ist es hervorragend erreichbar. Dummerweise ist auch dieses geschlossen. Grund sind hier aber keine Sparmaßnahmen, sondern unbedingt notwendige Sanierungsarbeiten. Rund 1 1/2 Jahre wird das Hallenbad noch geschlossen bleiben.
Baustadtrat Carsten Röding brachte dazu einen ganz pragmatischen Vorschlag ins Spiel. Der Sportsenat spart z. Zt. die Betriebskosten für den Betrieb des Kombibad Süd ein. Dieses Geld wäre doch in Kladow gut angelegt. Gemeinsam mit der Bundeswehr sollte doch so eine Lösung gefunden werden können.

Sven Schulz, Bundestagsabgeordneter von der SPD, befürchtet, die Schließung des Schwimmbades könnte der Anfang vom Ende der gesamten General-Steinhoff-Kaserne sein.

„Noch 2008, nach der Auflösung des Fernmeldeaufklärungsabschnitts 921, hatten die Parlamentarischen Staatssekretäre Schmidt und Kossendey aus dem Bundesministerium der Verteidigung Schulz in einem umfangreichen Schriftwechsel mitgeteilt, dass die Kaserne erhalten bleibt. Nun hat das Ministerium Schulz mitgeteilt, dass die Zukunft der Kaserne ungewiss ist. Das betrifft auch die Blücher-Kaserne.“

Nicht nur Zivilisten sind von den personellen Einsparungen der Bundeswehr betroffen. 1900 Bundeswehrsoldaten aus Gatow und Kladow müssen nun nach Reinickendorf in die Julius-Leber-Kaserne – ein Weg von rund 19 Kilometer.

Diese Situation ist als weiterer Rückschlag für den Schwimm- und Gesundheitssport in Spandau anzusehen. Die Entscheidung der Bundeswehr und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben könnte das Aus für den Gesundheitssport bedeuten.

Dies ist so nicht hinnehmbar – funktionsfähige Schwimmbäder zu schließen, obwohl nachgewiesen Wasserflächen für den Gesundheitssport, Kitasport und Schulschwimmen fehlen, ist keinem zu erklären. Untermauert wird der Bedarf an diesem Bad von inzwischen mehr als 1.000 Unterstützerunterschriften zu Offenhaltung, die dem Baustadtrat Röding übergeben worden sind. Das Argument, es fehlt an geeignetem Personal ist nach intensiven Bemühungen des Bezirksamtes nicht mehr haltbar.

Praktische Unterstützung bieten die Wasserfreunde Spandau 04 an. Sie würden von morgens bis abends das notwendige Personal stellen. Damit wäre es problemlos möglich, das Bad wieder zu betreiben. Ausgeschlossen für die Wasserfreunde ist eine Übernahme der Betriebskosten, wobei die nach Aussagen der Bundeswehr, kein Grund für die Schließung waren.

Baustadtrat Carsten Röding führt aus:

„Die Interessenbekundung der Wasserfreunde Spandau 04, dieses Bad in Eigenregie zu betreiben, ist eine Chance, die sich die Entscheidungsträger im Land und im Bund nicht entgehen lassen dürfen. Für alle bisherigen Nutzer und Angebote kann es mit der Unterstützung der Wasserfreunde an diesem Standort weitergehen. Daher mein Appell: Freischwimmen und aufschließen!“

Kai Wegner wandte sich am 18.1. per Brief an den Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, um sich für den Erhalt des Schwimmbades stark zu machen. Am 19.1. besprach er mit ihm das Problem in einem persönlichen telefongespräch.

Erhalt des Bundeswehrschwimmbades in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Spandau
Sehr geehrter Herr Minister,

Das Bundeswehrschwimmbad, dessen Betrieb zum Ende des vergangenen Jahres eingestellt wurde, wurde zuletzt sowohl von den Soldatinnen und Soldaten als auch von den umliegenden Vereinen, der Polizei, einigen Kitas und mehreren Tauchclubs aus den Ortsteilen Kladow und Gatow genutzt. Da das einzige naheliegende öffentliche Schwimmbad in der Gatower Straße voraussichtlich bis zum 1. Quartal 2012 aufgrund von umfangreichen Sanierungsarbeiten geschlossen bleibt, habe ich in einem Schreiben an Ihren Parlamentarischen Staatssekretär Christian Schmidt bereits darum gebeten, das Bundeswehrschwimmbad zumindest bis zur Wiedereröffnung des öffentlichen Schwimmbades offen zu halten. Da die Schließung mit fehlendem Personal seitens des Bundesministeriums der Verteidigung begründet wurde, hat der bundesweit bekannte Traditionsverein Spandauer Wasserfreunde 04 bereits zugesagt, Personal für den kompletten Betrieb des Schwimmbades zur Verfügung zu stellen.