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Wenn Kinder ihren Willen durchsetzen

Tiere sind nicht die besten Weihnachtsgeschenke (Foto: Ralf Salecker)

Tiere sind nicht die besten Weihnachtsgeschenke (Foto: Ralf Salecker)

Das Fest der Liebe naht mit Riesenschritten. Wer kennt das nicht den Wunsch nach einem Haustier? Kinder wünschen sich Tiere zu Weihnachten, weil sie darin ein großes lebendiges Kuscheltier sehen. Vielen Eltern fällt es sehr schwer, diesem drängenden Wunsch nicht nachzukommen. Große Kinderaugen, aber auch lautstarkes Geschrei und noch viel mehr Tränen können ein ausgesprochen wirksames Druckmittel sein.

Die ehemalige Brandenburgische Verbraucherschutzministerin Anita Tack mahnte einmal:

„Keinesfalls sollte spontan ein Tier als Weihnachtsgeschenk gekauft werden. Vor deren Anschaffung sollten die Anforderungen an die artgerechte Haltung der Tiere intensiv bedacht werden. … Haustiere sind kein Spielzeug. Ihre Haltung bringt für einen langen Zeitraum ein erhebliches Maß an Verantwortung, Pflichten und Kosten mit sich.“

Spandaus Ordnungsstadtrat:

„Eine Entscheidung für ein Tier sollte immer wohlüberlegt, vorbereitet und langfristig getroffen werden, nur so werden alle glücklich werden. … Eine artgerechte Haltung braucht mehr Zeit als gedacht, ist von den Kindern allein meist eh nicht zu gewährleisten. … Wenn Sie zweifeln, dann empfehlen wir Ihnen vor dem Kauf einen Besuch im Tierheim Berlin. Dort wird eine gründliche Vorbereitung auf den tierischen Zuwachs angeboten, bei der Interessierte Tiere und deren Haltung kennen lernen können und intensiv von Tierpflegern beraten werden.”

Gewiss ist den meisten Eltern bewusst, dass sie mit der Erfüllung des Wunsches niemandem einen großen Gefallen tun. Aber auch Eltern wollen von ihren Kindern geliebt werden. So wird der innige Wunsch der Kleinen oft wider besseren Wissens in die Tat umgesetzt.

Ob kleine Kinder sich der Verantwortung bewusst sind, die mit der Anschaffung eines Vierbeiners oder gefiederten Freundes verbunden ist, kann mit großer Sicherheit verneint werden. Der Wunsch oder die feste Absicht, diese zu übernehmen ist ganz bestimmt vorhanden – anfangs sogar die Zeit dafür. Gerade letztere wird sehr schnell zum Problem. Immer nach solch großen Feiertagen haben Tierheime einen erschreckend großen Zulauf. Zum Glück, muss man fast sagen, schließlich landet leider manch ein Tierchen auf der Straße.

Exoten für die Erwachsenen

Nun kann man nicht immer den lieben Kleinen die Schuld am Kauf von neuen Hausgenossen geben. Exotische Tiere üben auf manch Erwachsenen eine große Faszination aus. Die Zahl an Spinnen, Schlangen, Echsen, Schildkröten und anderen nichtheimischen Tierarten in deutschen Haushalten nimmt stetig zu.

Geschützte Tierarten werden in Koffern aus fernen Ländern eingeführt. Immer wieder entdeckt der Zoll geschmuggelte Tiere. Da macht es nichts, wenn der größte Teil der Tiere den Transport nicht überlebt hat. Der Rest kann immer noch für viel Geld verkauft werden. Ehrliche Tierhändler, die ein Geschäft und Angestellte unterhalten müssen, können mit den Dumpingpreisen der Tiermafia nicht konkurrieren. In Spandau gab es einmal eine ganze Menge Zoofachgeschäfte. Wo sind sie geblieben?

Hauptsache billig

Nicht immer ist die Herkunft der kuscheligen Tiere bekannt. Vielfach ist es den Käufern egal – so lange das Tierchen nur billig ist. Ein scheinbares Rasse-Haustier wird da ohne zu überlegen genommen. Oft kommen die Tiere aus Osteuropäischen Zuchten, wo sie unter tierquälerischen Bedingungen gezüchtet werden. Ob nun über das Internet oder als Zeitungsinserat, wann immer eine solche Anzeige verlockend ins Auge fällt, sollten sich die potentiellen Käufer klar machen, das extrem billige Preise unter vernünftigen Zuchtbedingungen nicht möglich sind. Wer solche Tiere kauft, tut denen nichts Gutes, vielmehr feuert er so einen boomenden Markt an, bei dem schon vorher viele auf der Strecke geblieben sind. Tierschutzorganisationen raten grundsätzlich vom Kauf von Tieren aus ungeklärter Herkunft ab.

Kann man nun noch ruhigen Gewissens an den Erwerb eines Haustieres denken?

Natürlich! Alles ist möglich, man muss sich nur der eigenen Verantwortung bewusst sein, die mehrere Jahre zu tragen ist. Vor allem verursachen Tiere Dreck und viel Arbeit, manche Lärmen – besonders wenn sie länger alleine gelassen werden. Es sollte nur nicht unbedingt die Weihnachtszeit sein, in der man sich ein Tier anschafft. In der großen Hektik kann sich ein Tier kaum in Ruhe eingewöhnen. Natürlich gehört auch eine ausführliche Information über die Bedürfnisse der Tiere dazu. Die bekommen sie in den Zoofachgeschäften.

Aus einer kleinen unscheinbaren Echse kann im Laufe der Jahre ein mehrere Meter langes Ungetüm werden. Was geschieht dann? Im Südpark, im Spandauer Stadtforst und im Zitadellengraben tummeln sich Rotwangen- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten im Wasser, ausgesetzt von ihren Besitzern, weil der Besitz von geschützten oder bedrohten Tieren einst meldepflichtig wurde.