Spandaus Zitadelle liegt im Ortsteil Haselhorst am Zusammenfluss von Spree und Havel und gehört zu den bedeutendsten und besterhaltenen Renaissancefestungen Europas: die Zitadelle Spandau. Im 16. Jahrhundert aus militärischen Gründen errichtet, ist sie heute ein Ort der Kultur: Ausstellungen, Festivals, Konzerte, Kunsthandwerkermärkte und Mittelalterfeste locken jedes Jahr mehr als 300.000 Besucher in ihre Mauern. Sie selbst und ihre direkte Umgebung stehen seit 1959 unter Landschaftsschutz.
Erster Sonntag im Monat ist immer der kostenlose Zitadellensonntag.
Rundgang über die Festung zwischen Havel und Spree
Dichtes Grün verbirgt die von Graf Rochus zu Lynar und Francesco Chiaramella erbaute Zitadelle vor neugierigen Blicken. Trotz ihrer Größe kann man sie von der Straße Am Juliusturm leicht übersehen. Die Festungsmauern werden vom Wasser des Zitadellengrabens umflossen, der der symmetrischen Außenform des Zitadellensterns mit seinen vier Bastionen (König, Königin, Brandenburg, Kronprinz) folgt. Die Renaissancefestung besitzt eine Kantenlänge von 208 × 195 Metern; durch die Anordnung der Bastionen gab es keine toten Winkel.

Zugang zur Zitadelle
Über die 1939 errichtete Zitadellenbrücke gelangen wir auf das Festungsgelände, hinter der der dicht begrünte Zitadellenpark beginnt. Rechter Hand führen zwei Wege bis zu einer Landspitze mit weitem Blick auf den Spandauer See. Bevor man ihn erreicht, muss ein kleines Wehr überquert werden; kurz dahinter liegt die Freilichtbühne an der Zitadelle, die seit mehr als 100 Jahren ein Kulturprogramm unter freiem Himmel bietet. Geht man an der Zitadellenbrücke links, gelangt man entlang des Zitadellengrabens in Richtung Spandauer Schleuse, mit Blick auf den Ravelin Schweinekopf.

Das Haus des Kommandanten
Das Zitadellentorhaus wurde 1563 als erstes Gebäude der neuen Festung fertiggestellt. Chiaramella gestaltete den Eingang als verkleinerte Kopie des Stadttores von Verona. Das große Brandenburgische Staatswappen ziert seit 1680 den Giebel mit 17 Besitz- und 8 Anspruchswappen; die Königskrone kam erst nach der Krönung Kurfürst Friedrichs III. hinzu. Den Wappenschild umrahmt ein Band mit der Devise des englischen Hosenbandordens: »Honni soit qui mal y pense«. Das Torhaus wurde um 1620 zum Kommandantenhaus umgebaut; seine durch Beschuss 1813 beschädigte Fassade wurde um 1839 im klassizistischen Stil neu gestaltet. Die Pferdetreppe linker Hand ermöglicht Reitern direkten Zugang zum Kommandantenhaus, zur Bastion König und zum Juliusturm; an ihrem Fuße steht das von Ernst Wenck 1897 geschaffene Standbild Kaiser Wilhelms I.

Juliusturm – der schiefe Turm von Spandau
Der Juliusturm ist nicht nur das Wahrzeichen Spandaus, sondern auch das älteste Bauwerk Berlins; seine Findlinge ermöglichen eine Datierung in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der im Grundriss kreisrunde Turm hat einen äußeren Durchmesser von 12,60 Metern, ist 30,73 Meter hoch und wiegt rund 6.000 Tonnen. 145 Stufen führen hinauf zu einem weiten Blick über Spandau. Beim Beschuss 1813 brannte der Turm aus, 1822 stürzte die Mauerkrone herunter. Karl Friedrich Schinkel entwarf auf königlichen Befehl einen neuen Zinnenkranz mit 24 Zinnen; wegen der Schrägstellung des Turmes um 0,81 Meter musste er den Schaft auf der Westseite überhöhen. Wegen seiner sicheren Lage diente der Turm seit 1650 als Aufbewahrungsort für den kurfürstlichen Silberschatz und nach 1870–71 als Lagerort für den Reichskriegsschatz. Im Zuge der jüngsten Sanierung (abgeschlossen Anfang 2015) entdeckten Handwerker ein Schreiben auf Butterbrotpapier aus dem Jahr 1932, in dem Arbeiter ihre schwierige Lebenssituation schilderten.

Bastion König
Die Bastion König besitzt hinter ihren Außenmauern zwei Gangsysteme: Die obere Feuergalerie war mit schweren Geschützen bestückt; von der unteren Feuergalerie, dem Minengang, sollten Angreifer am Durchschwimmen des Grabens gehindert werden. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Kasematten als Luftschutzkeller. Die im 17. Jahrhundert zugeschütteten oberen Kasematten wurden erst 1809 wiederentdeckt.

Palas
Der Palas stammt aus dem 15. Jahrhundert, besaß einen Kamin, eine Küche und im ersten Stock einen großen Festsaal. Seit 1451 wohnten hier die Witwen der brandenburgischen Kurfürsten; als Erste residierte von 1470–76 Katharina, Gemahlin Kurfürst Friedrichs I. Nach der Explosion des Pulverturmes 1691 erhielt der Palas beim Wiederaufbau eine barocke Innenausstattung. 1813 brannte er abermals aus; 1817 zog ein Geheimes Raketenlaboratorium ein, 1936 erfolgte der Umbau zum Offizierskasino. Das heute unverputzte Haus wurde 1976 nach vorgefundenen Architekturresten restauriert. Der Gotische Saal ist Veranstaltungsort für Konzerte, unter dem Dach befindet sich das Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums.

Kurtinen
Kurtinen verbinden die Bastionen der Zitadelle. Die Nordkurtine ist die einzige mit einer Verteidigungsgalerie zur Sicherung der Wasserfläche. Die Südkurtine zwischen Torhaus und Bastion Königin ist zur Hofseite als begrünte Böschung erkennbar; der Westkurtine ist der Ravelin „Schweinekopf“ vorgelagert. Bei Restaurierungsarbeiten 1983 stießen Archäologen auf Reste einer spätslawischen Anlage aus dem 11. Jahrhundert sowie Fundamente einer Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert. Im 1994 eingerichteten Foyer B innerhalb der Westkurtine lässt sich die Entwicklung der Burg Spandau über mehrere Jahrhunderte nachvollziehen.

Verwaltung, Kunst und altes Handwerk
Das 1886–88 erbaute Offiziantenhaus (Haus 3) beherbergt heute die Museumsverwaltung. Das angrenzende Verwaltungsgebäude (Haus 4) von 1936 diente bis 1945 als Institut und Bibliothek des Heeres-Gasschutz-Laboratoriums, später als Schulgebäude. Heute befinden sich im Erdgeschoss eine Instrumentenbauwerkstatt, eine Glasgravurwerkstatt, eine Wollwerkstatt sowie die Puppenbühne der Zitadelle. Im Fledermauskeller sind auf 300 Quadratmetern Nilflughunde und Brillenblattnasen zu sehen; in den oberen Etagen haben Künstler ihre Ateliers.

Ein Schweinekopf im Festungsgraben
Der Ravelin erhebt sich als Vorwerk vor der Mitte der Westkurtine und sicherte das Glacis nach Westen gegen die Havel. Die Bezeichnung Schweinekopf tauchte um 1650 erstmals auf – vermutlich weil dort früher nur eine schlammige Insel lag. Die heutige Form geht auf einen Umbau von 1704 zurück; hinter der Ravelinspitze führt eine Rampe zu einem Platz für Kanonen.

Kanonen auf der Kunstbastion
Graf Lynar begann 1578 mit dem Bau der Bastion Kronprinz. Am 31. August 1691 schlug ein Blitz in den Pulverturm ein; beim Wiederaufbau (1691–1701) erhielt das Plateau einen Kanonenturm, den Kavalier. Heute beherbergt das Gebäude die Kunstbastion mit der Jugendkunstschule Berlin Spandau. Das Kasernengebäude vor der Nordkurtine (Haus 6) wurde 1861 erstmals bezogen, 1944 durch Brandbomben stark beschädigt und danach vereinfacht wiederhergestellt. Inzwischen erstrahlt die klassizistische Backsteinfassade wieder in altem Glanz; das Gebäude soll künftig die Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ beherbergen.

Italienische Höfe
Die 1822–24 erbauten Italienischen Höfe mit ihren Schwibbögen gehen im Entwurf auf Lynar zurück. Die 1936 errichteten Gebäude des Heeres-Gasschutz-Laboratoriums prägen heute die Bastionsoberfläche; ab 1979/80 begann deren historische Rekonstruktion, bei der Wacherker, Schützenaufstand und Mauerabschnitte wieder freigelegt wurden.

„Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ im ehemaligen Magazin
Das ehemalige Magazingebäude an der Ostseite des Zitadellenhofes wurde 1814–17 errichtet. Nach langjährigen Umbaumaßnahmen eröffnete hier die Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“, in der Berliner Denkmäler mehrerer Epochen ihr endgültiges Domizil fanden – darunter Figuren der Siegesallee und ein vieldiskutierter Lenin-Kopf.

Bastion Königin
Die Bastion Königin wurde 1558–1578 nach Entwürfen Chiaramellas erbaut. Nach der Explosion ihres Pulvermagazins am 18. April 1813 dauerte der Wiederaufbau ab 1832 etwa zehn Jahre. Im linken Magazin ist eine Ausstellung zu 75 jüdischen Grabsteinen zu besichtigen, die aus den Fundamenten von Palas und Ringmauer geborgen wurden; der älteste datiert auf 1244 und stammt vermutlich von durch Pogrome geschändeten Friedhöfen.


Zeughaus und Exerzierschuppen
Das Alte Zeughaus aus der ersten Zitadellenbauzeit brannte 1813 ab; im Schutt fanden sich Kürasse, Brustharnische und Keramikteller. Als Ersatz entstand 1856–58 das Neue Zeughaus nach einem Entwurf des Geheimen Baurates Busse – ein klarer Backsteinbau in der Nachfolge Schinkels. Seit 1992 beherbergt es das Stadtgeschichtliche Museum Spandau mit regionaler Geschichte im Erdgeschoss und Wechselausstellungen im Obergeschoss. Direkt nebenan steht der Exerzierschuppen, ein Fachwerkbau aus der Zeit um 1880, der gelegentlich als zusätzliche Ausstellungshalle dient.
Hier gibt es noch mehr Bilder zur Zitadelle und eine ausführlichere Information.

Musikinstrumentenwerkstatt Klangholz im Haus 4 der Zitadelle
Ein ganz besonderes Highlight auf der Zitadelle ist die Musikinstrumentenwerkstatt Klang-Holz im Haus 4 auf der Zitadelle Spandau. Hier finden sie Musikinstrumente, die sie wahrscheinlich noch nie gesehen haben. Kleine Konzerte bieten immer wieder eine wunderbare Atmosphäre. Wer mag, kann hier unter Anleitung sein eigenes Musikinstrument bauen.
Die Zitadelle Spandau (Adresse: Am Juliusturm 64, 13599 Berlin) ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Direktverbindungen zur Haltestelle „Zitadelle“
Die einfachste Möglichkeit ist die direkte Anfahrt zur Haltestelle U Zitadelle:
- U7 – Haltestelle „Zitadelle“ (barrierefrei), alle ~10 Minuten
- Bus X33 – Haltestelle „Zitadelle“, alle ~15 Minuten
- Bus N7 – Nachtbus, Haltestelle „Zitadelle“
Anreise vom Bahnhof Spandau
Wer mit S-Bahn, Regional- oder Fernbahn anreist, steigt am Bahnhof Berlin-Spandau aus:
- S3 / S9 bis S Spandau, dann Bus X33 bis „Zitadelle“ (~5 Min.)
- Alternativ zu Fuß vom Bahnhof Spandau: ca. 20 Minuten (1,7 km)
Anreise aus Berlin Mitte
| Startpunkt | Verbindung | Dauer |
|---|---|---|
| Berlin Hauptbahnhof | S-Bahn bis Spandau, dann Bus X33 | ~28 Min. |
| Berlin Mitte (allgemein) | U7 oder S-Bahn + Bus | ~30 Min. |
Die U7 fährt dabei direkt zur Haltestelle „Zitadelle“ und ist die komfortabelste Option aus dem Stadtinneren – ohne Umstieg vom U-Bahnnetz nötig.
Rundgang durch die Spandauer Altstadt



