Spandau Hauptbahnhof, der längste Hallenbahnhof Deutschlands

Ein Glaspalast zwischen Arcaden und Altstadt

Spandau Bahnhof: Nächtliches Panorama, Innenaufnahme (Foto: Ralf Salecker)
Spandau Bahnhof: Nächtliches Panorama, Innenaufnahme (Foto: Ralf Salecker)

Ein großer Glaspalast empfängt die Reisenden in Spandau, kurz vor der Altstadt. Der „kleine Zwillingsbruder“ vom Berliner Hauptbahnhof ist mit seinen 432 Metern der längste Hallenbahnhof Deutschlands. 20.000 m² Glasfläche überspannen die Bahnsteige. Dabei ist das Glasdach keine starre Konstruktion. Alle Glaselemente hängen freitragend in einem gitterförmigen Edelstahlnetz. Ausgedacht hat sich das alles das Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner.

In der Zeit von 1996 bis 1998 entstand der Bahnhof, während nebenher der Bahnbetrieb weiterlief. Mit 4,5 Millionen Euro Baukosten erscheint er fast preiswert. Am 19. Mai 1997 wurde ein erster Bahnsteig für Fern- und Regionalzüge des neuen Bahnhofs Berlin-Spandau dem Verkehr übergeben. Heute passieren ihn ständig Züge der Berliner S-Bahn, des Fern- und Regionalverkehrs und auch Güterzüge.

Blick vom Rathaus Spandau zu den Spandau Arcaden und zum Bahnhof (Foto: Ralf Salecker)
Blick vom Rathaus Spandau zu den Spandau Arcaden und zum Bahnhof (Foto: Ralf Salecker)

Damit hat Spandau den zweiten Hauptbahnhof in seiner Geschichte. Der alte Hauptbahnhof Spandau stand nicht etwa an der gleichen Stelle, sondern auf der anderen Seite der Havel, auf dem Stresow. Klein und unscheinbar kommt er heute daher, nur ein klassizistisches Gebäude erinnert an bessere Zeiten. Im Jahr 1846 entstand der Bahnhof als Spandauer Vorortbahnhof auf der Strecke der Berlin-Hamburger-Eisenbahn. Militärische Beschränkungen durch die Zitadelle verhinderten den Bau eines Bahnhofs in unmittelbarer Nähe des Spandauer Zentrums. Als dann 1871 die Berlin-Lehrter-Bahn einen Bahnhof westlich der Havel errichtete, nannte man den neuen kurzerhand Lehrter und den älteren Hamburger Bahnhof.

Der Verkehr von und nach Berlin nahm zu. Der Hamburger Bahnhof auf dem Stresow wurde stark ausgebaut. Folgerichtig benannte man ihn schließlich 1911 in Spandauer Hauptbahnhof um.

Beide Bahnhöfe dienten anfangs dem Personen- und Güterverkehr gleichermaßen, bis 1890 aus dem Lehrter ein reiner Güterbahnhof wurde. Die hübsche Empfangshalle aus Fachwerk wollte man offensichtlich nicht einfach abreißen, also ging es ab mit ihr nach Hakenfelde, wo sie als Restaurant „Stadtpark“ ein neues Leben begann.

Blick vom Rathaus Spandau über die Eisenbahnbrücke in Richtung Stresow (Foto: Ralf Salecker)
Blick vom Rathaus Spandau über die Eisenbahnbrücke in Richtung Stresow (Foto: Ralf Salecker)

Um die Verwirrung vollständig zu machen, entstand 1910 neben dem Güterbahnhof  ein neuer Spandauer Vorortbahnhof, diesmal nur für den reinen Personenverkehr. Vom neuen Bahnhof Spandau-West gab es dann noch einen Durchgangstunnel, der hinüber zum kleinen Bahnhof der Osthavelländischen Eisenbahn führte.

Heute kann man sich nicht mehr vorstellen, wie geschäftig es auf den Bahnhöfen einmal zuging. Spandau war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Osthavelland und Berlin. Die gesamte Fläche zwischen dem Brunsbütteler Damm und der Seegefelder Straße war ein Gewirr an Gleisen.

Von Vorortverbindungen nach Nauen im 10-Minuten-Takt wagen wir heute kaum zu träumen. Am Bahnhof Spandau-West stiegen die Pendler auf die Stadtbahn um – vom selben Bahnsteig. Heute sind dafür am Spandauer Hauptbahnhof erst einige Treppen zu überwinden. Am 23. August 1928 fuhr dann die erste elektrisch getriebene S-Bahn von und nach Berlin, ab 1951 sogar bis Falkensee. Der Mauerbau bedeutet einen erheblichen Einschnitt. Spandau-West war wieder Endbahnhof.

Weihnachtlicher Blick vom Rathaus auf den Spandauer Bahnhof und die Arcaden (Foto: Ralf Salecker)
Weihnachtlicher Blick vom Rathaus auf den Spandauer Bahnhof und die Arcaden (Foto: Ralf Salecker)

Jahre des Niedergangs folgten. West-Berliner boykottierten die S-Bahn, die noch einige Zeit in Form von praktisch leeren Geisterzügen fuhr. Der Reichsbahnerstreik 1980 bedeutete das endgültige Aus. Erst 18 Jahre später hielt wieder eine S-Bahn in Spandau. Diesmal im neuen Hauptbahnhof Berlin-Spandau.

Ralf Salecker

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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