Spandauer Stadtmauer im Behnitz

Spandaus Stadtmauer im Behnitz

Hat eine Frau den Bau der Stadtmauer gestattet?

Spandauer Stadtmauer im Behnitz (Foto: Ralf Salecker)
Spandauer Stadtmauer im Behnitz (Foto: Ralf Salecker)

Am Hohen Steinweg im Behnitz steht der letzte Rest von Spandaus Stadtmauer. Der Name der Straße hebt ihre frühere Besonderheit hervor. Im Mittelalter gab es nur wenige gepflasterte Straßen, diese gehörte offensicht dazu.

Früher einmal umschloss die Stadtmauer die gesamte Altstadt. Im Jahre 1319 begannen die Bürger Spandaus ihre Stadt mit einer Mauer zu umgeben. Rund 30 Jahre lang dauerte dieses unterfangen. Der letzte Rest davon, mit einer Länge von 53 und einer Höhe von 6 Metern, steht im ältesten Siedlungsgebiet der Spandauer Altstadt. Zwischen Mühlengraben und Havel gelegen, war sie ringsum von Wasser umgeben. Am Ende der Mauer sind noch die rekonstruierten Reste eines Wiekhauses (Wehrturm) zu bewundern. 1348 existierten vier Stadttore, eines davon, das Mühlentor, stand auf dem Behnitz und wurde 1639 ebgebrochen. Der Straßenname Möllentordamm erinnert noch heute daran.

„Als Wiekhäuser bezeichnet man feldseitige Auskragungen mittelalterlicher Stadtmauern, die in einigen Städten zu kleinen Mauerhäusern oder -türmen ausgebaut wurden. Sie sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in die wehrhafte Stadtmauer eingebaut, trugen zu deren Erhöhung und Stabilität bei und wurden an Stelle von Wehrgängen zu Verteidigungszwecken errichtet.“ Quelle: Wikipedia

„Möllentordamm: Von um 1232 bis 1938 hieß die Straße Damm, nach dem Dorf Damm an der Nordseite der Straße, das aus sieben Fischereigrundstücken bestand und 1875 nach Spandau eingemeindet wurde. Da der Straßenname zu Verwechslungen Anlass gab, wurde er nach dem 1639 abgebrochenen Möllen- oder Mühlentor, das am Ostende der Straße lag, umbenannt. Die Südseite der Straße, die schon immer auf Spandauer Gebiet lag, hieß bis 1882 Oranienburger Straße.“ Quelle: Wikipedia

Feuer hat anscheinend auch etwas Gutes. Etwa um 1240 wütete in Spandau ein furchtbarer Brand, der einen Großteil der Häuser einschließlich der Kirche vernichtete.  Der Wiederaufbau war teuer und schwächte die Kaufkraft Spandaus. Aus diesem Grund wurden der Stadt für 8 Jahre die Steuern erlassen. Als „Zugabe“ wurde ihr der Behnitz (Bens) übereignet. Der Behnitz selbst war früher einmal durch einen alten Havelarm vom Rest der Altstadt abgetrennt. Der Havelarm wurde zu einem Flutgraben ausgebaut, der bis 1912 Bestand hatte. Diesen schüttete man später zu. Heute fließt der Verkehr auf der Straße am Juliusturm und trennt den Behnitz ab von Trubel in der Altstadt. Eine Oase der Ruhe, mit schönen alten Häusern ist so, wenn auch unfreiwillig, entstanden.

Eine Stadtmauer errichtet man nicht so ohne weiteres. Dafür war eine Genehmigung von höchster Stelle notwendig. Markgraf Waldemar I., geboren 1297, könnte diese Genehmigung möglicherweise erteilt habe. Er starb am 14. August 1319, ohne einen Sohn zu hinterlassen. Kurfürstin Agnes von Brandenburg, Tochter des Herzogs Otto von Braunschweig-Lüneburg, übernahm unter Vormundschaft ihres nächsten Verwandten, des Herzogs Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg, die Regentschaft in der Mark Brandenburg. Es könnte also auch eine Frau gewesen sein, die den Bau von Spandaus Stadtmauer erlaubte.

 

 

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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