Nein zu Häuslicher Gewalt in Spandau - Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz

Nein zu Häuslicher Gewalt in Spandau – Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz

Bezirksamt zeigt mit neuer Dienstvereinbarung Haltung gegen Gewalt

Nein zu Häuslicher Gewalt in Spandau - Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz
Nein zu Häuslicher Gewalt in Spandau – Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz (Foto: BA)

Mit der Dienstvereinbarung „Nein zu Häuslicher Gewalt – Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz“ fügt das Bezirksamt Spandau nun dem Kampf gegen Häusliche Gewalt ein kraftvolles Instrument hinzu.

Die Zahl der Fälle Häuslicher Gewalt ist in Berlin anhaltend hoch. In Berlin wurden im Jahr 2015 insgesamt 14.490 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. Die Dunkelziffer soll weit darüber liegen. Bis zu 90% der Opfer sind den Angaben zufolge Frauen. Eine repräsentative Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt, dass jede 4. Frau in Deutschland in ihrem Leben mindestens einmal körperliche Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Es gibt körperliche, psychische, sexuelle und ökonomische Gewalt. Die Folgen können am Arbeitsplatz sichtbar werden.

Initiatorin der Dienstvereinbarung ist Sabine Bachmann-Fiedle

Die von ihren Kolleginnen im Bezirksamt gewählte „Frauenvertreterin“ vertritt die Interessen der weiblichen Mitarbeiterinnen im Bezirksamt.

„Häusliche Gewalt war für mich nie ein Tabu-Thema. Im Bezirksamt Spandau habe ich sehr lange im sozialen Bereich gearbeitet. In dieser Zeit, wurde ich bereits mit dem Thema „Gewalt an Frauen und Kindern“ konfrontiert. Ich habe immer hingeguckt und hingehört, privat und beruflich. Es war für mich dann in meiner folgenden Tätigkeit als Frauenvertreterin naheliegend, weiter am Thema zu bleiben.

Ich denke, dass Gewalt an Frauen leider nicht vor der Tür des Rathauses halt macht. Ich habe im letzten Jahr einen internen Workshop zu „Häuslicher Gewalt“ organisiert. Dieser Workshop sollte eigentlich den Fachkräften im Umgang mit betroffenen Bürgerinnen nutzen, hat aber plötzlich aufgezeigt, dass Gewalt auch den Kolleginnen selbst nicht fremd ist. Zwei Kolleginnen haben sich mir dann direkt mit eigenen Erfahrungen zu erkennen gegeben. Und da mir die Zahlen und die Dunkelziffer der Betroffenen bekannt sind, wusste ich, für meine Kolleginnen muss ich etwas tun. Mein erster Weg führte mich zu unserem Bezirksbürgermeister, denn ich dachte sofort: Hier muss eine offizielle Dienstvereinbarung her!“

Dann zogen alle an einem Strang: Bezirksbürgermeister Kleebank war sofort bereit für das Bezirksamt eine Dienstvereinbarung zu entwickeln, die zuständige Personalrätin brachte die wichtigsten Standpunkte der allgemeinen Beschäftigtenvertretung ein und Frau Bachmann-Fiedler holte noch die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks, Annukka Ahonen, ins Boot, die vom Bezirksamt aus weniger intern sondern mehr in den Bezirk hinein wirkt.

Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank:

„Aufgrund der hohen Fallzahlen in unserer Stadt ist es wahrscheinlich, dass auch unter den vielen im Bezirksamt Spandau Beschäftigten, Menschen sind, die von Häuslicher Gewalt betroffen sind. Das Bezirk-samt als Arbeitgeber kann hier Unterstützung bieten. Nehmen wir die Form der psychischen Gewalt, die sich z.B. in Nachstellen, Einschüchtern und dem sogenannten „Stalking“ zeigt. Hier haben wir mit der Dienstvereinbarung beschlossen, dass unkompliziert eine Durchwahl am Diensttelefon geändert werden kann, dass eine kurzfristige Umsetzung in ein anderes Büro möglich ist und im Zweifel auch ein Hausverbot gegen den/die Bedrohende/n ausgesprochen wird. Außerdem haben wir vier qualifizierte Ansprechpersonen aus verschiedenen Abteilungen des Bezirksamts benannt, bei denen sich Betroffene beraten lassen können.“

Annukka Ahonen unterstützt die Initiative der Kollegin mit ganzen Herzen

„Natürlich bin ich dabei! Ich bin nun auch eine der vier in der Dienstvereinbarung benannten Vertrauenspersonen des Bezirksamts, bei denen sich die Kolleginnen intern Unterstützung holen können. Ich arbeite mit den Spandauer Bürgerinnen und Bürgern, dem Frauenbeirat und den Beratungsstellen in den Kiezen bereits so intensiv zum Thema, da freue ich mich, wenn ich meine Erfahrung auch den Kolleginnen zu Gute kommen lassen kann. Ich bin stolz darauf, dass das Bezirksamt Spandau mit der Dienstvereinbarung hier ein weiteres Mal so konsequent und geradlinig „Flagge zeigt“ gegen Häusliche Gewalt“ und spielt darauf an, dass zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, am 25.11.2016, für eine ganze Woche wieder die blaue Fahne der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ vor dem Rathaus wehen wird. Dies hatte die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung auf Frau Ahonens Vorschlag hin im letzten Jahr beschlossen – und zwar konsequent einstimmig!“

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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